Textblog

Wie fühlt sich der Tod an – mit dem Tastsinn?

Manchmal muss man etwas anfassen, um es zu verstehen. Bei einer Bestattung können wir vieles durch die Sensibilität unseres Tastsinns begreifen.

Der Tastsinn hilft uns zum Beispiel bei der langsamen Annäherung an die Toten. Mit den Fingerspitzen können wir die Maserung des Sarges ertasten und so das letzte Bett besser kennen lernen. Die Stoffe der Totenkleider können wir befühlen, zum Beispiel feine Seide oder grobe Baumwolle. Wir dürfen die weiche Wolldecke noch einmal in die Hand nehmen oder das Gewicht des letzten Kissens spüren.… weiterlesen

Spenden statt Blumen

Viele Menschen haben bei einer Bestattung das Bedürfnis, der Verstorbenen etwas zu schenken, zum Beispiel Blumen. Bei einem Urnengrab ist der Platz für Blumen oft begrenzt, die schönen Blumengestecke kommen dann wenig zur Geltung und werden nach wenigen Tagen abgeräumt. In Bestattungswäldern sind Blumen ohnhin nicht vorgesehen. Viele Zugehörige entscheiden sich daher für Spenden statt Blumen.

In ländlichen Gegenden ist es teilweise üblich, Geld für die Beerdigungskosten zu spenden und in die Kondolenzkarte einen Geldschein zu stecken.… weiterlesen

Trends in der Bestattung

Für ein Kirchenmagazin habe ich einige Trends in der Bestattung aufgegriffen. Die verschiedenen Stichpunkte zeigen vor allem, dass sich Bestattungen heute nicht mehr über einen Kamm scheren lassen, sondern dass sie sich in einer pluralen Gesellschaft ausdifferenzieren.

1. Naturbestattungen 

Der Trend geht zur Naturbestattung, nämlich Beisetzungen im Begräbniswald oder im Meer, ohne Grabstein und ohne Grabpflege. Die Gründe dafür sind vielfältig. Viele Familien leben heute verstreut und können nicht garantieren, über Jahrzehnte ein Grab zu pflegen; manche wollen es schlicht nicht.… weiterlesen

Selbstversuch Totenfürsorge

Auf der Bremer Messe „Leben und Tod“ 2019 bot meine Kollegin Sarah Benz von den Sarggeschichten einen Workshop zur Totenfürsorge an. Es ging darum, mit den circa 15 Teilnehmenden eine Totenfürsorge zu gestalten. Dazu brauchte es einen Toten und den sollte ich spielen. Ich musste mich bis auf die Unterhose ausziehen und auf eine Liege legen. Vorher hatte ich ein paar Stichworte zu meiner Person gesagt, die ich in diesem Zusammenhang für wichtig hielt: Mir ist schnell kalt, ich werde nicht so gerne von fremden Menschen angefasst, ich mag klassische Musik und spiele Orgel.weiterlesen

Wie finde ich einen guten Bestatter?

„Wie finde ich einen guten Bestatter oder eine gute Bestatterin?“ – Diese Frage bekomme ich oft von Menschen außerhalb von Berlin gestellt. Hier ist ein kleiner Leitfaden, der die Suche erleichtern kann. 

Eine Beerdigung kann ein wichtiges Ereignis in unserer Biografie sein und ein guter Bestattungsprozess trägt viel dazu bei, wie wir die nachfolgende Trauerzeit erleben. Daher darf man sich für die Wahl des richtigen Bestatters oder der richtigen Bestatterin ruhig ein bisschen Zeit nehmen – auch wenn die Zeit vermeintlich drängt.weiterlesen

Neues Interview zur Alternativen Bestattung

Ein neues Interview zur Alternativen Bestattung ist online. Danielle Graf und Katja Seidel vom Erziehung-Podcast „Das gewünschtes Wunschkind“ haben mich zu meiner Arbeit interviewt. Herausgekommen ist ein schönes Gespräch über die Möglichkeiten der Alternativen Bestattung. Unter anderem geht es um passende Abschiedsrituale, sympathische Tote, Bestattungskosten und die richtigen Worte, wenn jemand stirbt. Hört selbst!

Podcast-Link

 

 

Ausschnitt:

Danielle: „Was sind denn so ungewöhnliche Wünsche, die an dich herangetragen werden? Du hast jetzt gesagt, eine eigene Bettdecke mit in den Sarg nehmen.weiterlesen

Feuerbestattung oder Erdbestattung

In Berlin ist das Verhältnis von Feuerbestattung und Erdbestattung fünf zu eins. Die christlichen Kirchen haben sich lange gegen die Feuerbestattung gewehrt, denn die Zerstörung des Körpers durch Feuer galt traditionell als ein Hinderungsgrund für die „Auferstehung des Leibes“. Daher war das mittelalterliche Verbrennen auf dem Scheiterhaufen die denkbar schlimmste Strafe. Heute erkennen die christlichen Kirchen die Feuerbestattung vorbehaltlos an. Im Islam und im Judentum gibt es keine Feuerbestattung. Im Buddhismus und im Hinduismus ist sie dagegen verbreitet.weiterlesen

Erbe und Nachlass

Memento mori

Schnapp Austern, Dukaten,
Musst dennoch sterben!
Dann tafeln die Maden
Und lachen die Erben.

Joseph von Eichendorff

Das Erbe antreten

Wenn ein Testament vorhanden ist, muss es zunächst eröffnet werden. Dies geschieht durch das Amtsgericht (auch Nachlassgericht), bei dem das Testament hinterlegt ist oder in dessen Bezirk der Tote gemeldet war. Hier kann man das zuständige Gericht finden.

Als Erbnachweis für Banken, KFZ-Stellen etc. genügt dann meist das eröffnete Testament in Kopie sowie das Eröffnungsprotokoll.weiterlesen

Die Versorgung der Toten

Bestatter_innen haben unterschiedliche Meinungen dazu, was eine angemessene Versorgung der Toten ist und was nicht, welcher Anblick für die Zugehörigen „zumutbar“ ist und welcher nicht.

Viele Bestatter_innen versuchen, den Toten den Anschein zu geben, als seien diese lebendig. Wir kennen dieses Bemühen von den Post-Mortem-Fotografien des 19. Jahrhunderts. Dort posieren Tote mit ihren Liebsten, sitzen auf Stühlen oder stehen mit Hilfe von Vorrichtungen sogar aufrecht. Tote sollen doch bitte nicht tot aussehen.weiterlesen

Sargbeigaben

Dem Toten noch etwas mitgeben – ein Ritual, das so alt ist wie die Bestattung selbst. Aus ökologischer Sicht darf man alles mit in den Sarg geben, was man mit gutem Gewissen in die Erde oder ins Feuer geben kann. Dazu gehören auch die eigenen Kleider und die eigene Bettwäsche. Ich lade Zugehörige ein zu überlegen, was sie ihrer Toten mitgeben möchten. Die Resultate sind manchmal erstaunlich kreativ und berührend.

Was soll mit in den Sarg?
weiterlesen

Gute Trauerredner_innen

Eigentlich werbe ich dafür, dass die Zugehörigen auf der Trauerfeier selbst sprechen. Aber manchmal ist es sinnvoll, (zusätzlich) eine gute Trauerredner_in zur Trauerfeier einzuladen. Diese hält den Rahmen, indem sie die Trauerfeier moderiert oder die vielfältigen Stimmen der Zugehörigen in einer Trauerrede vereinigt. In einer guten Trauerrede wird der Tote erinnert, sein Sterben gemeinsam betrauert und die Verbundenheit zu ihm bestärkt.

Nicht jeder Trauerredner passt zu jeder Familie und jedem Toten.weiterlesen

Seebestattung in der Ostsee

Seebestattung in der Ostsee
Seebestattung in der Ostsee

In der Frühe war ich mit dem Auto von Berlin zu meiner ersten Seebestattung aufgebrochen. Es war ein grauer, nasskalter Tag, eigentlich kein Wetter für eine Bootsfahrt. Ich bin ohnehin kein Freund von schwankendem Untergrund, aber ich wollte gerne diesen Verstorbenen und seine Angehörigen bei seiner letzten Fahrt begleiten. Der 74-jährige Heiner* war als junger Mann selbst viel gesegelt, unzählige Ostseeurlaube und schließlich eine Kreuzfahrt zum Nordkap zeugten von seiner Wasser-Leidenschaft.weiterlesen

Wie riecht der Tod?

Die Frage nach den Gerüchen des Todes treibt viele Menschen um. Ja, der Tod riecht – so wie alles Menschliche. Der Verwesungsgeruch eines Menschen ist süßlich, ein bisschen metallisch, aber nicht unbedingt unangenehm. Manchmal mischt sich darin der Dunst von Stuhl, Blut oder Schweiß. Daher waschen wir die Toten gründlich und ziehen ihnen frische Kleider an. Es gibt den alten Brauch, wohlriechende Kräuter wie Lavendel, Lorbeer oder Rosmarin zu den Toten zu legen.weiterlesen

Mein erster Toter

Mein erster Toter war Herr Meier. Ich habe ihn in meinem Praktikum bei memento Bestattungen kennen gelernt. An meinem zweiten Praktikumstag war ich mit Jan von memento zum Waschen und Anziehen von Herrn Meier verabredet. Bisher war meine Vorstellung von Toten eher gruselig gewesen: ich hatte Bilder von gespenstischen Zombies und Toten im Kopf, die mit langgewachsenen Haaren und Nägeln im Sarg wieder aufwachten. In der Nacht vor unserem Treffen konnte ich nicht schlafen.weiterlesen

So war es bei unserer Veranstaltung

Eine toller Tag zum Tod liegt hinter uns. Wir sind überwältigt von so viel Interesse am Tod. Unser Dank geht an Eva Müller, die nicht nur zwei tolle Lesungen aus ihrem Comic „Sterben ist echt das Letzte“ mit speziellen Sounds abgeliefert hat, sondern auch noch dazu beigetragen hat, dass der Leere Raum zu einer richtigen Kunstgalerie geworden ist. Auch ihre Trauerkarten waren in kürzester Zeit verkauft:

Michael Steinhauser hat uns seinen einstündigen Dokumentarfilm „Mondlicht“ gezeigt, in dem es aus verschiedenen Perspektiven um die Entsorgung von alten Menschen ging.weiterlesen

Ein neues Jahr beginnt – wir widmen uns dem Ende

Ein neues Jahr beginnt – wir widmen uns dem Ende mit einem ganzen Tag zum Tod

Der Tod kann grausam sein, er ist angstbesetzt, geheimnisvoll, manchmal auch erlösend und sanft. Ohne den Tod wäre das Leben unerträglich. Er gehört zum Leben dazu und ist doch dessen Gegenteil.

Auf unterschiedliche Weise wollen wir uns am 3. Februar 2018 dem Tod annähern. Im Leeren Raum am S-Bahnhof Schöneberg ist Platz für Filme, Lesungen, Gesprächsrunden, Talltalk, Livemusik und so lebensnotwendige Dinge wie Kuchen.weiterlesen

Symbolische Babybestattung

[Alle Namen sind geändert, der Brief ist mit freundlicher Erlaubnis überlassen.]

Auch die Beendigung einer Schwangerschaft in einem sehr frühen Stadium darf man betrauern. Manchen hilft als Abschiedsritual eine symbolische Babybestattung. Neulich durfte ich eine begleiten:

Babylunz lebte sechs Wochen als Eileiterschwangerschaft, ohne dass seine Eltern Noël und Chris davon wussten. Noël hatte plötzlich starke Schmerzen und blutete. Mit dem Notarztwagen fuhren Noël und Chris ins Krankenhaus. Dort gab es eine Notoperation.weiterlesen

Baby-Sammelbestattung

Babys unter 500g müssen nicht einzelbestattet werden, wenn sie totgeboren sind. Aber in den Mülleimer sollen sie auch nicht geworfen werden, deshalb organisieren viele Krankenhäuser ein- bis zweimal im Jahr eine sogenannte Baby-Sammelbestattung. Neulich hatte ich die Chance, dort als Bestatter mitzuwirken.

Zunächst fuhr ich mit einer Kollegin zur Pathologie, um die Babys abzuholen. Drei winzige, zum Teil tiefgefrorene Babys wurden uns übergeben, die wir in kleine, mit Watte ausgeschlagene Kästchen legten.weiterlesen