Das Grab auswählen

Welches Grab auswählen

Meine Omi wusste über 40 Jahre, dass sie in dem Grab ihres früh verstorbenen Mannes bestattet werden würde. In Zeiten höherer Mobilität wissen viele nicht mehr automatisch, wo und wie ihr Grab sein wird. Viele Zugehörige fühlen sich beim Eintritt des Todes erst einmal davon überfordert, ein Grab auszuwählen. Doch auch das klärt sich im Bestattungsprozess Schritt für Schritt.

Nicht selten äußern sterbende Menschen, dass sie in ein anonymes Grab ohne Pflege wollen, damit bloß kein Aufhebens um sie gemacht wird. Es ist klar, dass sie die Hinterbleibenden nicht mit der Grabpflege belasten wollen. Trotzdem plädiere ich dafür, auch die Bedürfnisse der Zugehörigen ernst zu nehmen, denn sie sind es schließlich, die mit der Trauer leben.

Fragen zur Grabwahl:

Ist es wichtig, dass das Grab für die engsten Zugehörigen fußläufig zu erreichen ist? Das kann zum Beispiel für Kinder oder alte Menschen wichtig sein, die auch alleine auf den Friedhof gehen wollen und nicht mobil sind. Viele Trauernde schätzen auch die Möglichkeit, „auf einen Sprung“ beim Grab vorbeizugehen und ihrer Toten einen kurzen Besuch abstatten zu können. In diesem Fall ist der nächste Friedhof der beste.

Ist es wichtig, dass das Grab mit einem Namen bezeichnet ist? Das Grab unterm grünen Rasen ist anonym und kann nach der Beisetzung nicht mehr genau lokalisiert werden. Viele Friedhöfe bieten zumindest ein Namensschildchen auf einer Sammelplatte an.

Ist es wichtig, dass das Grab individuell gestaltet werden kann? Und ist es auch möglich, das Grab mindestens 20 Jahre zu pflegen? Ich weiß aus Erfahrung, dass Trauernde zunächst oft die Anziehungskraft eines Grabes unterschätzen. Es gibt Trauernde, die zumindest im ersten Jahr jeden Tag am Friedhof sind. Für sie ist die liebevolle Gestaltung des Grabes sehr hilfreich. Ein Grab mit Pflege sollte allerdings nur dann gewählt werden, wenn auch sichergestellt ist, dass es 20 Jahre lang gepflegt werden kann.

Grab pflegen

Ist es wichtig, dass das Grab günstig ist? Der Preis spielt bei vielen Entscheidungen eine Rolle. Am billigsten ist eine Seebestattung, zumindest wenn keine Angehörigen bei der Beisetzung auf See dabei sind. Auch mit der Beisetzung im Ausland können unter Umständen die Grabkosten umgangen werden. Es gibt ferner im Berliner Umland einige Friedhöfe, die relativ günstige Gräber anbieten. Das anonyme Grab unterm grünen Rasen ist in der Regel nicht das billigste, weil die Pflege vom Friedhof übernommen wird.
Für Sozialbestattungen ist wichtig zu wissen: Das Sozialamt übernimmt in Berlin die Kosten für ein Erd-Reihengrab oder ein Urnen-Reihengrab, ein anonymes Urnengrab oder eine Seebestattung.

Ist es wichtig, dass es ein Grab gibt, das für alle öffentlich zugänglich ist? Das kann bei zerstrittenen Familien wichtig sein. Wenn beispielsweise die eine Partei die Asche ins Ausland bringt und verstreut, ist die andere Partei außen vor und hat keinen zugänglichen Ort. Auch für entfernter stehende Menschen kann es wichtig sein, das Grab besuchen zu können.

Ist es wichtig, dass das Grab in einer gepflegten Friedhofsanlage liegt oder dass es naturnah ist, zum Beispiel im Wald oder im See? Der Trend geht zur Natur, oft zum Begräbniswald. Wichtig ist, im Vorfeld zu wissen, dass im Wald keine individuelle Gestaltung erfolgen kann und dass in der Regel auch keine Blumen abgelegt werden dürfen. Bestattungswälder werden oft von privaten Trägern betrieben, beispielsweise als Ruheforst oder FriedWald. Sie sind oft teurer als kommunale oder konfessionelle Friedhöfe. Einige Friedhöfe in Berlin bieten auch eine Baumbestattung beziehungsweise eine Bestattung im Baumfeld an. Sie sind nicht zu verwechseln mit den Bestattungswäldern. Einmalig ist der evangelische Südwestkirchhof Stahnsdorf, dessen Waldgräber man gestalten darf, aber nicht muss. In mehreren europäischen Ländern ohne Friedhofszwang kann die Asche unproblematisch in der freien Natur beigesetzt werden.

Ist ein konfessionell gebundener Friedhof wichtig? In Berlin gibt es landeseigene, evangelische und katholische Friedhöfe, die offen sind für Menschen aller Konfessionen. Außerdem gibt es zwei noch belegbare jüdische Friedhöfe, auf denen nur Jüd_innen bestattet werden können. Ferner gibt es in Berlin einen islamischen Friedhof am Columbiadamm, einige islamische Gräberfelder auf verschiedenen Friedhöfen und einen russisch-orthodoxen Friedhof. Die Grabarten und Gebühren auf den landeseigenen Friedhöfen Berlins sind in dieser Broschüre gut zusammengefasst.

Grabarten:

Reihengrab bedeutet, dass das nächste Grab in der Reihe belegt wird. Es ist die günstigere Alternative zum Wahlgrab und kann in der Regel nicht über 20 Jahre hinaus verlängert werden. Das Wahlgrab bietet den Vorteil, dass man sich tatsächlich eine Stelle aussuchen darf und dass darin häufig mehr als nur eine Urne oder ein Sarg beigesetzt werden darf.

Als Gemeinschaftsgrabanlagen werden in der Regel die Grabstätten unterm grünen Rasen bezeichnet, die anonym oder mit zentraler Namenskennzeichnung sein können. Darunter fallen aber auch die Urnenwände, Kolumbarien und Urnenstelen. Ferner gibt es aufwendiger gestaltete Gemeinschaftsgrabanlagen wie beispielsweise den Garten der kleinen Ewigkeit auf dem Alten-Zwölf-Apostel-Friedhof in Berlin-Schöneberg oder die sogenannten Memorial-Gärten, die auf mehreren Berliner Friedhöfen von dem privaten Träger “Friedhof Treuhand Berlin” betrieben werden. Auch soziale Initiativen stellen Gemeinschaftsgrabanlagen wie beispielsweise das “Grab mit vielen Namen” für Menschen, die ordnungsbehördlich bestattet werden oder das von dem Verein Denk mal positHIV getragene Grab für Menschen, die an den Folgen von AIDS gestorben sind.

Viele Berliner Friedhöfe bieten außerdem Grabpatenschaften an. Vom Verfall bedrohte Grabmale werden durch eine Grabpatenschaft wiederhergestellt. Mehr Informationen gibt es bei der Stiftung historische Friedhöfe. In dem virtuellen Katalog Berliner Grabmale retten kann man sich gelungene Beispiele der Grabpatenschaft ansehen.

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Historisches Grab mit neuer Urnenbeisetzung

Die Trauerfeier    Der Grabstein