Wie umweltfreundlich ist eigentlich so eine Bestattung im Wald?

Bäume im Bestattungswald mir einem Andachtsplatz mit Holzbänken

Verneigt vor alten bäumen euch,
und grüßt mir alles schöne. (Reiner Kunze)

Viele Menschen wollen unter Bäumen bestattet werden. Der gewöhnliche Friedhof mit seinen bündigen Reihengräbern ist passé, insbesondere die Boomer-Generation zieht es zur letzten Ruhestätte vor die Tore der Städte in den Wald.

Je asphaltierter und lärmerfüllter unser Lebensraum ist, desto größer ist die Sehnsucht nach dem Schatten der Bäume. Jenseits des Stadtlärms bilden das Rauschen der Blätter und das Zwitschern der Vögel eine wohltuende Geräuschkulisse. Die erdigen Düfte des Waldes beruhigen unseren Puls, regulieren unseren Blutdruck und lassen uns durchatmen. Für viele Menschen ist der Wald ein Ort der Entspannung, der Regeneration und des Trostes. Und wer wollte sich nicht flüchten zum vertrauten Lindenbaum mit dem süßen Versprechen „du fändest Ruhe dort“?

Doch man muss gar kein todestrunkener Wanderer sein, der die ersehnte Ruhe in allen Wipfeln sucht. Ein Streifblick über die Kulturgeschichte des Baumes zeigt, wie groß die Anziehungskraft der Bäume durch alle Zeitläufte ist. Universell ist die Baumverehrung in unterschiedlichen Religionen und Kulturen, etwa die nordische Weltenesche Yggdrasil, der babylonische Baum von Eridu, der alttestamentarische Baum der Erkenntnis, die germanische Donar-Eiche oder die Großväter-Bäume der Aborigines und viele andere. Die verehrten Bäume verkörpern entweder selbst das Heilige oder beherbergen es in ihren Ästen und Wurzeln. Der Weltenbaum verbindet Himmel, Erde und Unterwelt und ist damit die Welt selbst. Im Stammbaum ist der Mensch mit seinen Vorfahren und Nachkommen verbunden und auf diese Weise Teil der großen Menschenfamilie.

Bäume wachsen über uns hinaus und sind doch fest im Boden verwurzelt. Gleichzeitig führen uns besonders die Laubbäume den Kreislauf des Lebens vor Augen: Jahr für Jahr sprießen ihre Blätter zartgrün, werden dunkler, färben sich dann gelb oder rot und fallen zu Boden, wo sie sterben. Menschen, die ihre sterblichen Überreste an den Wurzeln eines Baumes betten, gefällt häufig die Vorstellung, selbst Teil dieses Kreislaufs zu werden. Indem sie in die Natur eingehen, werden sie, was sie immer waren, nämlich Bausteine neuen Lebens.

Nachhaltigkeit und Baumbestattung

Das Baumgrab im Wald bedarf keiner pflichtmäßigen Grabpflege, was für den überarbeiteten Menschen des 21. Jahrhunderts ein Segen ist. Das Problem ist nur, dass der Wald des 21. Jahrhunderts nicht weniger gestresst ist als der Mensch. Die Waldzustandserhebung 2025 klärt auf, dass rund 80 % der Bäume Schadmerkmale aufweisen.

Die schlechte Nachricht ist: Auch die Baumbestattung ist keine umweltfreundliche oder ressourcenschonende Bestattungsmethode. Die Einäscherung im Krematorium erfordert einen hohen Energie- und Gasverbrauch und verursacht CO2-Emissionen. Zwar werden bestimmte Schadstoffe durch Filteranlagen zurückgehalten, doch auch die verbleibende Asche ist nicht vollständig schadstofffrei. Eine Studie des Umweltbundesamts zeigt: Sie kann unter anderem Schwermetalle und das hochgiftige Chrom(VI) enthalten, die den Boden belasten und ins Grundwasser gelangen können. Die Entscheidung für den Bestattungswald ist dennoch auch ein Statement für eine nachhaltige Waldwirtschaft: ein Bestattungswald darf nicht einfach abgeholzt, bejagt oder anderweitig forstwirtschaftlich genutzt werden. Für seine Erhaltung wird mindestens für die Dauer der vorgeschriebenen Ruhezeit gesorgt, sodass die Wahl eines Bestattungswaldes zum langfristigen Schutz eines bestehenden Waldes beiträgt.

Praktische Aspekte der Waldbestattung

Bei der Wahl eines Baumgrabes sollten einige praktische Aspekte bedacht werden. Der Bestattungswald liegt in der Regel einige Kilometer vom Wohnort entfernt. Ein spontaner Besuch des Grabes „auf einen Sprung“ ist daher meist nicht möglich. Manche Bestattungswälder sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen, andere hingegen nur mit dem Auto. Auch die Barrierefreiheit ist in Bestattungswäldern naturgemäß eingeschränkt. Das Mitführen von Hunden ist – anders als auf vielen klassischen Friedhöfen – in den meisten Bestattungswäldern erlaubt. Die Trauerfeier findet in der Regel unter freiem Himmel statt. Ihre Gestaltung unterliegt keinem strikten Regelwerk, auch wenn sie sich häufig an vertrauten Beerdigungsritualen orientiert. Die vielfältigen Möglichkeiten einer Trauerfeier im Wald sind an anderer Stelle ausführlicher vorgestellt.

FriedWald, RuheForst oder wie heißt das?

Noch ein Wort zum Begriff FriedWald: Die FriedWald GmbH ist der größte Betreiber von Bestattungswäldern in Deutschland. Der Markenname des Unternehmens ist so stark etabliert, dass das Wort „FriedWald“ häufig als allgemeine Bezeichnung für Bestattungswälder verwendet wird. Die dominierende Marktstellung des privatwirtschaftlichen Unternehmens, das rund die Hälfte der Bestattungswälder betreibt, wird zum Teil kritisch gesehen. Auch der RuheForst® ist ein Markenname mit immerhin etwa 85 Standorten in Deutschland. In Deutschland gibt es rund 400 Bestattungswälder. Hinzu kommen Friedhöfe, die Areale mit Baumbestand anbieten.

Ausblick

Dieser Text entsteht im August 2026. Der Wald stirbt gerade, mancherorts brennt er, und es ist fraglich, wie lange er in unseren Breitengraden noch so existieren wird, wie wir ihn kennen. Dass die heiligen Bäume unserer Ahnen längst gefällt sind, mag unserem aufgeklärten Zeitalter geschuldet sein. Doch dass wir mit unserem alltäglichen Lebensstil die Lebensgrundlagen der Wälder zerstören, ist eine Tragödie, die wie eine Erbsünde auf dem westlichen Menschen des 21. Jahrhunderts lastet.

Wenn es den Bäumen schlecht geht, ist etwas aus dem Gleichgewicht geraten – und auch wir beginnen zu straucheln. Doch dieser Text über die Baumbestattung wäre nicht vollständig, wenn wir den Blick nicht zu unseren Wurzeln und zu unseren Zweigen richten würden. Waldsterben wurde in der jüngeren Geschichte schon einmal eingedämmt. Der saure Regen der 1980er Jahre mag im Vergleich zur Klimakrise ein Pappenstiel gewesen sein, dennoch wurde der Wald schon einmal durch eine gesamtgesellschaftliche Anstrengung gerettet. Es ist wahrscheinlich, dass wir auch in Zukunft den Ausverkauf unserer Lebensgrundlage nicht dauerhaft hinnehmen werden, sondern auf klimaschonende Technologien und Lebensweisen umstellen. Bereits heute ist der Waldumbau zu artenreichen, klima-resilienteren Mischwäldern im Gange.

Wenn wir also unsere Verstorbenen unter Bäume betten, dann in der Hoffnung, dass diese trotz Dürre und Überschwemmung länger ausharren als wir.

Auf einem abgestorbenen Baumstumpf wahsen zwei junge Baumtriebe.

Ich möchte diese Birke sein
Die du so liebst:
Hundert Arme hätt ich um dich zu schützen
Hundert grüne und sanfte Hände
Um dich zu streicheln!
Ich hätte die besten Vögel der Welt
Um dich bei Tagesanbruch zu wecken
Und am Abend zu trösten
In den Stunden des Sommers könnt ich dich
Unter Blumenblättern aus Sonne verschütten
In meinen Schatten hüllte ich zur Nacht
Deine ängstlichen Träume …
Ich wollte ich wär diese Birke

Ivan Goll

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