Die Trauerfeier

Die meisten Trauerfeiern finden auf dem Friedhof statt. Wenn es vor Ort keine Beisetzung gibt, weil die Urne beispielsweise in der See oder im Ausland bestattet wird, kann die Trauerfeier auch als Gedenkfeier an einem anderen Ort stattfinden, zum Beispiel im Park, im Wohnzimmer, im Vereinsheim oder im Theater. Und auch im Krematorium kann man eine Trauerfeier abhalten.

Auf dem Friedhof wird die Feierhalle oder die Kapelle für ein bis zwei Stunden gemietet. In dieser Zeit kann darin alles Mögliche stattfinden – alles ist erlaubt. Ich ermutige die Zugehörigen, gut zu überlegen, was ihnen beim gemeinsamen Abschiednehmen und Erinnern wichtig ist, wer an der Trauerfeier teilnehmen soll und wie sich alle Anwesenden einbringen können, zum Beispiel Kinder. Viele Trauernde haben zunächst den Impuls, nur eine ganz kleine Trauerfeier zu machen, vielleicht sogar nur eine sogenannte fünfzehnminütige „stille Feier“. Sie wollen diese schreckliche Situation möglichst schnell und ohne Publikum hinter sich bringen. Allerdings zeigt die Erfahrung, dass eine Trauerfeier in größerer Gemeinschaft mit offenen Worten und ehrlichen Gesten für die allermeisten ein gutes Erlebnis ist, das auf dem schweren Weg des Abschiednehmens wichtig und hilfreich ist.

Damit die Trauerfeier gerade nicht als traumatisches Ereignis erlebt wird, sondern als ein selbstbestimmter Akt, hilft es, möglichst viel selbst in die Hand zu nehmen. Die Dinge, die Menschen selbst machen wollen und können, sind sehr unterschiedlich. Hier sind ein paar Anregungen gesammelt:

Selbst sprechen
Eigene Worte auf der Trauerfeier müssen keine ausgearbeitete Rede über das gesamte Leben der Toten sein. Viel spannender und persönlicher ist es, wenn mehrere Zugehörige ihre eigenen Erinnerungen erzählen oder sich sogar trauen, von ihrer Trauer, ihren geplatzten Hoffnungen, vielleicht ihrer Erleichterung und allen übrigen Gefühlen sprechen. Ich überlege mit den Zugehörigen gerne gemeinsam, was gesagt werden kann. Manche wollen ein Gedicht oder eine biblische Lesung lesen. Dazu berate ich gerne. Ich biete auch an, aufgeschriebene Texte für andere vorzulesen oder einfach als Backup einzuspringen, wenn sich im Moment des Redens die Tränen Bahn brechen. Im Übrigen gilt: geweinte Tränen sind heilsam und müssen nicht versteckt werden, schon gar nicht auf einer Beerdigung.

Den Raum selbst dekorieren
Zugehörige wissen selbst am besten, welche Dekoration ihnen gefällt und was zu ihrer Toten passt. Deswegen biete ich an, die Feierhalle oder den Ort gemeinsam zu gestalten. Im Vorfeld kann überlegt werden, wo der Sarg oder die Urne stehen soll. Wenn sich die Bänke und Stühle verrücken lassen, kann es passend sein, einen Kreis um den Sarg oder die Urne zu stellen. Außerdem besprechen wir, ob es Blumen oder Bilder geben soll und welche persönlichen Gegenstände bei dem Sarg oder der Urne liegen sollen. Auch die Beleuchtung, die Temperatur und der Geruch einer Feierhalle lassen sich steuern. Duftkerzen oder Räucherstäbchen helfen, in den oft feuchten und muffigen Friedhofshallen eine angenehme Atmosphäre zu schaffen.

Kerzen anzünden
Das Kerzenanzünden auf der Trauerfeier ist ein kleines Ritual mit großer Wirkung. Alle Trauergäste bekommen ein Teelicht, das sie anzünden und bei dem Sarg oder bei der Urne abstellen können. So nehmen sie Kontakt mit der Toten auf und bringen ihr ein Licht.

Das Feierprogramm selbst gestalten
In katholisch geprägten Gegenden gibt es das sogenannte Sterbebildchen, das mit einem Bild und einem biblischen Spruch an die Tote erinnert. Daran angelehnt drucke ich oft ein Feierprogramm, das an alle Trauergäste ausgeteilt wird. Darauf sind der Ablauf der Feier, einige Bilder der Toten, ein Gedicht, ein Satz oder ein passender Liedtext abgedruckt. Um sich im Vorfeld auf die Trauerfeier vorzubereiten, kann es für die Zugehörigen ein hilfreicher Prozess sein, die Texte und Bilder selbst auszusuchen, den Ablauf aufzustellen, zu verwerfen und wieder neu aufzuschreiben. Ich unterstütze dabei. Die Stuttgarter Bestatterin Barbara Rolf und ihr Team haben hier passende Gedichte und Texte zur Trauerfeier zusammengestellt.

Die Musik der Trauerfeier aussuchen
Querflöte Trauerfeier
Pauline ist 11 Jahre alt. Sie spielt “Greensleeves” auf der Querflöte.

Fast alle Menschen kennen die Kraft der Musik, all unsere Gefühle ausdrücken zu können. Bei einer Trauerfeier kann sie laute Totenklage, schrilles Entsetzen, Verzweiflung und Ohnmacht sein, aber sie kann auch Trost, Dankbarkeit oder heitere Gelassenheit spenden. Jede Musik ist auf einer Trauerfeier erlaubt. Hat die Tote eine Lieblingsmusik gehabt, die sie gerne gehört hätte? Gibt es Zugehörige oder Bekannte, die selbst Musik machen können, auch wenn die nicht perfekt ist? Ich helfe dabei und begleite am Klavier oder an der Orgel in jeder Stilrichtung. Natürlich vermittele ich auch professionelle Musiker_innen. In diesem Video begleite ich zum Beispiel die Geigerin Ruth Gerner auf einer Trauerfeier.

Den Sarg oder die Urne zur Grabstelle tragen
Auf vielen Dörfern ist es bis heute üblich, dass Nachbar_innen den Sarg zum Grab tragen. In Berlin gibt es dafür in der Regel ein Trägerteam, allerdings dürfen auch Zugehörige mittragen. Dieser letzte Dienst am Toten tut vielen gut. Gleiches gilt für die Urne, die häufig von den eigenen Kindern oder Enkeln getragen wird, die ehemals von ihren Eltern oder Großeltern auf dem Arm getragen wurden.

Selbst beERDigen
Seit Jahrtausenden betten Menschen ihre Toten in die Erde. Dies mit den Händen selbst zu tun, ist etwas, das auch heute vielen guttut. Die Urne darf auf manchen Friedhöfen selbst gesenkt werden. Auch das Grab darf per Handarbeit mit Spaten selbst geschlossen werden. Ein Erdgrab für einen Sarg zuzuschaufeln, bringt mehrere Menschen für mindestens 30 Minuten ins Schwitzen. Ein Urnengrab geht natürlich schneller. Das können auch Menschen tun, die weniger Kräfte haben. Die Spaten können auch reihum gereicht werden, sodass viele Menschen mithelfen können. Für wen die körperliche Arbeit nicht möglich ist, der kann das Grab auch symbolisch mit Blütenblättern oder Sand schließen.

Feuerbestattung Urnenloch Grab

Im Krematorium   Welches Grab?