Mit dem Tod leben

Der Tod eines nahen Menschen kann uns in extreme Gefühle bringen. Er kann unseren Körper verändern, unsere Gewissheiten infrage stellen und dazu führen, dass wir unser Leben neu ordnen müssen. All das nennen wir Trauer – eine universelle Erfahrung, die zu jedem Leben dazugehört und die eigentlich etwas Gutes ist, um einen Verlust verarbeiten zu können. 

Allerdings ist das Wissen über Trauer relativ gering und kaum in der breiten Gesellschaft verankert. Wenn andere trauern, wissen wir oft überhaupt nicht, wie wir uns dazu verhalten sollen. Trauer ist mit Scham verbunden und mit viel Unsicherheit.

Die meisten Menschen schaffen es, die Lebensphase der Trauer zu bewältigen, indem sie ihre Selbstheilungskräfte aktivieren und von ihrer Familie und ihren Freund_innen unterstützt werden. Manche brauchen dazu professionelle Hilfe. Ich empfehle in Berlin zwei Trauerbegleiter_innen, denen ich besonders vertraue, nämlich Carmen Mayer und Dorothee Karle. Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg (EKBO) bietet in vielen Kirchenkreisen eine kostenlose Trauerbegleitung an. Sie kann im Einzelgespräch oder in einer (angeleiteten) Trauergruppe stattfinden. Eine gute Trauerbegleitung macht die Trauer nicht sofort weg, darum geht es auch gar nicht. “Trauern ist die Lösung und nicht das Problem”, schreibt Chris Paul. Trauerbegleitung heißt daher erst einmal, einen sicheren Ort haben, bei dem man über alles reden kann, was man in der Trauer fühlt, denkt und tut. Vielen Menschen hilft es, immer wieder gesagt zu bekommen, dass alles völlig normal und vor allem vollkommen okay ist.

Eines hat sich über die Jahrzehnte in der Trauerbegleitung grundlegend verändert: Wir müssen über den Verlust unserer Toten nicht mehr hinwegkommen, indem wir sie loslassen und vergessen, sondern wir dürfen immer mit ihnen in Verbindung bleiben. Wir dürfen an sie denken, mit ihnen reden und wegen ihnen bestimmte Dinge tun. Sie dürfen uns unser Leben lang begleiten. Ein Trauerprozess bedeutet: Die Last des Verlustschmerzes wird irgendwann leichter, ohne dass wir unsere Toten vergessen haben.

Meine Aufgabe als Bestatter

Mit dem Nachgespräch nach der Beerdigung endet meine Begleitung eigentlich, denn ich bin kein Trauerbegleiter, sondern Bestatter. Nichtsdestotrotz bin ich ansprechbar, wenn es zum Beispiel darum geht, am ersten Todestag eine Erinnerungsfeier mit Freund_innen zu gestalten. Manchmal war eine zurückliegende Bestattung nicht hilfreich, beispielsweise weil sie in einer anderen Stadt stattgefunden hat oder weil die Zeremonie unpassend war. Dann biete ich beispielsweise eine symbolische Bestattung in Berlin an. Auch eine Umbettung der Urne oder des Sarges in ein anderes Grab kann ich als Bestatter organisieren und begleiten.

Trauerweg

Der Grabstein