Bestattung bei einer Fehlgeburt (unter 500g)

Jede dritte Schwangerschaft endet vor der 16. Woche. Diesen Prozess erleben also sehr, sehr viele Menschen. Für manche Eltern ist der Begriff Kind angemessen, andere finden andere Bezeichnungen. In diesem Text spreche ich von Kind, unabhängig von Größe und Gewicht. Bestattung bei einer Fehlgeburt. 

Ein Kind, das vor der 16. SSW stirbt, ist in der Regel leichter als 500g (manche auch bis in die 22. Woche). Daher gilt es juristisch nicht als “Leiche” und ist nichtbestattungspflichtig. Man muss es also nicht bestatten, aber man darf es bestatten. Das Spektrum der Möglichkeiten reicht von einer Beerdigung im eigenen Garten bis zum offiziellen Grab auf einem Friedhof. Und natürlich ist es auch in Ordnung, ein Kind unter 500g in der Toilette zu verabschieden. Alles ist gut, was sich für die Eltern richtig anfühlt. Wenn man nicht bestatten möchte, kann man das Kind auch der →Sammelbestattung im Krankenhaus überlassen.

Auch die Einäscherung in einem Krematorium ist möglich, um die Asche zu Hause aufzubewahren, irgendwo zu verstreuen oder zu vergraben. Dies ist erlaubt, weil das Kind nicht bestattungspflichtig ist. Auf diese Weise gewinnt man viel mehr Zeit, um sich für einen letzten Ruheort zu entscheiden. Eine Einäscherung kann auch sinnvoll sein, wenn ein Umzug ansteht, sodass die Asche des Kindes mitgenommen werden kann. Allerdings bleibt bei einem kleinen Kind unter 500g nur ein Hauch von Asche übrig.

Gerade bei Fehlgeburten gibt es oft ängstliche Dritte, die davon abraten, das Kind noch einmal zu sehen beziehungsweise es selbst zu bestatten. Eine selbstbestimmter Bestattungsprozess kann aber helfen, positive Erinnerungen zu schaffen und den Verlust ins Leben zu integrieren. Wie auch immer die Entscheidung ausfällt, wichtig ist die Entscheidungsfreiheit zu haben.

In dieser Situation ist es gut, wenn es Unterstützer_innen gibt, die zur Seite stehen, ohne beschützen zu wollen. Das können Freund_innen sein oder Menschen, die professionell Fehlgeburten begleiten: zum Beispiel alternative Bestatter_innen oder Hebammen*, die auf palliative Geburten spezialisiert sind. Adressen

Bestattung nach einer geplanten Ausschabung

Manche Schwangerschaftsabbrüche sind selbst entschieden. Die Gründe dafür sind mannigfach und bedürfen keiner Rechtfertigung. Auch im Fall eines selbstbestimmten Abbruchs (Abtreibung) ist eine Bestattung möglich. Manchen tut es gut, sich von einem Lebensweg bewusst zu verabschieden und das Kind der Erde anzuvertrauen.

Sehr kleine Kinder kommen nach einer gynäkologischen Ausschabung in der Regel in den Gewebeabfall. Wenn sich Eltern zu einer Bestattung entscheiden, sollten sie das vorher in der Klinik oder bei der Gynäkologin unbedingt ansagen. Eine Bestattung ist auch möglich, wenn ein Kind als solches noch nicht oder nicht mehr zu erkennen ist.

Ganz kleine Kinder können in einem Glas oder, wenn sie etwas größer sind, in einem mit Wolle ausgelegten Kästchen mit nach Hause genommen wird. In diesem Fall sollte vorher besprochen werden, was mit damit zu Hause weiter geschieht. Das heißt: wo und wann wird das Kind bestattet? Was geschieht, wenn das nicht möglich ist?

Manche Krankenhäuser zögern mit der Herausgabe eines toten Kindes an die Eltern oder verwehren dies sogar. Rechtlich gilt: unter 500g haben die Krankenhäuser keine rechtliche Grundlage, ein Kind zurückzuhalten. Viele Krankenhausmitarbeitende sind sich unsicher und kennen die Rechtslage nicht genau. Sollte es diesbezüglich Schwierigkeiten geben, kann auch eine Bestatter_in hinzugezogen werden, die das Kind in Empfang nimmt.

Bestattung nach spontanem Abort (unter 500g)

Bei einem spontanen Abort zu Hause kommt das Kind oft erst Stunden nach der starken Blutung auf der Toilette. Auch hier ist es wichtig, mit einer Hebamme* oder Ärztin abzuklären, ob ein Krankenhausaufenthalt nötig ist. Der ungeplante Abort ist oft von Angst und Panik begleitet. Daher ist es für viele wichtig, sich in diesen Momenten Unterstützung von Bezugspersonen oder Professionellen zu suchen.

Man kann das Kind erst einmal in einem Glas auffangen. Dann können die Eltern sich in Ruhe überlegen, welchen letzten Ort sie dem Kind geben wollen.

Bestattung bei einer Fehlgeburt
Die kleinen Schachteln bekommt man in Bastelläden. Naturwolle gibt es z.B. in Drogerien.
Die “Beerdigung”

Welchen Rahmen die Beerdigung hat – ob alleine, zu zweit oder mit 20 Menschen – das kann je nach Bedürfnis verschieden gehandhabt werden. Es kann hilfreich sein, dass nahe Menschen unterstützen und Zeugenschaft ablegen.

Was man bei einer Babybestattung tun kann:

  • das Kästchen oder die Flasche selbst gestalten, bekleben, mit Watte, Moos oder Stoff auslegen
  • kleine Beigaben zusammensuchen wie bunte Steine, Muscheln oder Blätter oder etwas aus Naturmaterialien basteln wie kleine Papiervögel
  • Freund_innen darum bitten, etwas als Beigabe mitzubringen
  • Briefe oder kleine Fotos dazulegen
  • Musik aussuchen
  • passende Texte raussuchen oder selbst schreiben, zum Beispiel über den Schmerz oder über die geplatzten Träume
  • das Grab selbst graben und hinterher wieder mit Erde bedecken
  • das Grab mit Kieselsteinen oder einem angemalten größeren Stein kennzeichnen oder mit einem selbstgebauten Holzkreuz oder anderes
  • leckeres Essen und genug zu trinken (mitbringen lassen)

Hier erzähle ich von einer symbolischen Bestattung.

Hier schreibe ich mehr Bestattung von bestattungspflichtigen Kindern.

Autor: julian.heigel

Bestatter

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