Wie klingt der Tod?

Manche sterben schnell wie ein plötzlicher Knall, andere langsam wie ein ausklingender Ton. Wie klingt der Tod

Der Tod kann mit gewaltvollen Geräuschen einhergehen: krachende Aufprallunfälle, schnappende Guillotinen, knatternde Maschinengewehre oder gellende Schmerzensschreien. Dazu das Greinen der Trauernden oder ihr lautes Verstummen.

In der Mehrheit der Fälle geschieht der Tod aber recht leise. Vor allem die Abwesenheit des Atemgeräusches zeigt uns den Tod an. Der Odem der Sterbenden gilt uns als Indiz ihres Lebens, selbst wenn er zur blubbernde Rasselatmung schwillt oder für Sekunden aussetzt. Doch schließlich ein letztes tiefes Einatmen, einem schmerzvollen Stöhnen gleich, mit dem der Sterbende das gesamte Leid der Welt zu fühlen scheint. Dann hauchte er den Geist aus. Die letzte Atemluft entweicht, als würde dabei ein Kerze ausgeblasen. Eine Klangschale, die immer leiser und leiser wird und dann still ist. –

Der Tod klingt überhaupt nicht. Es ist unser Lebensklang, der laut oder leise verhallt.

Es gibt unzählige Versuche das Mysterium des Todes musikalisch zu fassen beziehungsweise unseren Gefühlen zum Tod Ausdruck zu verleihen: all die Abschiedslieder, Requien, Beerdigungschoräle, Gospels, sad songs, die Totenglocken, die Muezzin-Rufe und die heiligen Trommeln… zum letzten Geleit scheint es schon immer Musik gegeben zu haben.

Ich habe hier den musikalischen Liebestod aus Wagners Tristan ausgewählt. Isolde findet den toten Körper ihres Geliebten und wünscht sich nichts sehnlicher, als ebenfalls zu sterben. Es ist eine auskomponierte verzückte Todeserfahrung: “in des Welt-Atems wehendem All — ertrinken, versinken — unbewusst — höchste Lust!”

Wie klingt der Tod

Autor: julian.heigel

Bestatter

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