Neues Interview zur Alternativen Bestattung

Ein neues Interview zur Alternativen Bestattung ist online. Danielle Graf und Katja Seidel vom Erziehung-Podcast „Das gewünschtes Wunschkind“ haben mich zu meiner Arbeit interviewt. Herausgekommen ist ein schönes Gespräch über die Möglichkeiten der Alternativen Bestattung. Unter anderem geht es um passende Abschiedsrituale, sympathische Tote, Bestattungskosten und die richtigen Worte, wenn jemand stirbt. Hört selbst!

Podcast-Link

 

Neues Interview zur Alternativen Bestattung
Das bin ich auf auf dem Hof des Berliner Fuhrunternehmen „Gustav Schöne“. Früher waren hinter dem Holztor die Pferdeställe, heute ist dort Kühlung, wo meine Toten ruhen.

 

Ausschnitt:

Danielle: „Was sind denn so ungewöhnliche Wünsche, die an dich herangetragen werden? Du hast jetzt gesagt, eine eigene Bettdecke mit in den Sarg nehmen. Gibt es noch andere Sachen, die einfach nicht so sind, wie man sich es vorstellen würde? Oder trauen sich die Leute gar nicht?“

Julian: „So ungewöhnlich ist es gar nicht. Ich glaube, dass das Außergewöhnliche eher im Detail liegt, dass Leute sich einfach trauen, Dinge zu sagen, die sie vielleicht sonst nicht sagen würden. Oder dass ich einfach versuche, einen Raum zu öffnen, wo das, was zu der toten Person passt, da sein darf. […] Zum Beispiel wird bei der Trauerfeier vorne ein Stuhl hingestellt und die Leute werden eingeladen, etwas zu sagen. Und wenn man das hinbekommt, dass diese Angst und diese Schwere der Situation weggenommen wird, dann trauen sich die Leute auch, sich da hinzusetzen und zu sagen: Hey, mir fällt gerade gar nichts Schlaues ein, ich wollte nur sagen: danke. Und ich erinnere mich gerade an den schönen Tag am See, den wir neulich noch zusammen hatten, vielen Dank dafür.“

Katja: „Ganz häufig finden es Menschen schwierig, ihr Beileid auszudrücken. Also entweder persönlich oder auch auf der Trauerkarte. Das ist echt schwer. Gibts da irgendwelche Tipps, die du uns nennen kannst, wie es irgendwie persönlicher wird oder weniger schwer zumindest?“

Julian: „Also ich finde es tatsächlich auch total schwer. In der Rolle des Bestatter gehts immer, weil klar ist, was ich da mache und warum ich dann da bin, aber tatsächlich finde ich es auch schwierig, einem krebserkrankten Freund die richtigen Zeilen zu schreiben. Das ist einfach schwierig. Ich glaube, es ist gut, wenn man sich da ein bisschen besinnt und zusammenreißt und sagt: das ist jetzt aber wichtig, dass ich was sage, und dann ist es auch fast egal, was man dann schreibt, solange es vom Herzen kommt oder mit offenen Worten ist. Ich weiß, dass Kondolenzkarten, Karten die die Zugehörigen bekommen, denen oft total viel bedeuten. Zum Beispiel machen wir das manchmal, dass die Trauerrednerin dann aus diesen Karten zitiert, weil das Bild der Toten dann noch mal ein bisschen runder wird oder vielfältiger. Weil vielfältige Stimmen dann noch mal sagen: du warst immer so und so und dann sagen viele Leute: ja stimmt, das ist sie doch.“

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Persönliches

Autor: julian.heigel

Bestatter

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