Die Abholung

Jeder Tote muss mit einem Leichenwagen vom Sterbeort in eine Kühlkammer gebracht werden. Dies ist gesetzlich vorgeschrieben und auch sinnvoll, denn der tote Körper beginnt ab dem Stillstand des Herzens zu verwesen. Die Kühlung verlangsamt den Verwesungsprozess.

Ich habe kein eigenes Fuhrwesen, sondern greife auf externe Fuhrunternehmen mit Leichenwagen und Trägern zurück. Im Todesfall rufe ich ein Fuhrunternehmen an und vereinbare eine Zeit der Abholung. Ich arbeite mit zwei alteingesessenen Berliner Fuhrunternehmen, nämlich dem Fuhrunternehmen „Gustav Schöne“ in Rixdorf/ Neukölln und dem Bestattungsfuhrwesen „Ernst Brehme“ im Wedding. Zu beiden habe ich Vertrauen und weiß, dass sie mit den Toten gut umgehen.

Der Weg des Toten
  • Stirbt ein Mensch im Pflegeheim, im Hospiz oder zu Hause, gibt es in Berlin das gesetzlich vorgeschriebene Zeitfenster von 36 Stunden bis zur Abholung. Eine Verlängerung kann man beantragen. In Hospizen, zu Hause und in den meisten Pflegeheimen ist ein längeres Aufbahren meist unproblematisch. Danach kommt der in die Kühlung des Fuhrunternehmens oder in Ausnahmefällen direkt zum Krematorium.
  • Stirbt ein Mensch im Krankenhaus, was laut Bertelsmann-Studie für knapp 50% aller in Deutschland Sterbenden zutrifft, wird er in der Regel in die Kühlräume des Krankenhauses gebracht. Hier kann er einige Tage bleiben. Die Abholung muss also nicht im Zeitfenster von 36 Stunden geschehen. In den meisten Krankenhäusern ist das Abschiedsnehmen vom toten Körper oder eine Aufbahrung nur bedingt möglich, da die Toten die Zimmer oft schnell verlassen müssen. Nur in wenigen Krankenhäusern gibt es gesonderte Abschiedsräume. Eine Abschiednahme kann in diesem Fall in den Abschiedsräumen der Fuhrunternehmen stattfinden. Dort wasche ich auch die Toten und ziehe sie an.

Von den Kühlräumen der Fuhrunternehmen geht es weiter, entweder in ein Krematorium oder direkt zu einem Friedhof. Im Gegensatz zu vielen anderen Bestatter_innen sehe ich alle Toten, für die ich Verantwortung übernehme.

Kutsche Bestattung Gustav Schön
Auf dem idyllischen Pferdehof “Gustav Schöne” blühen im Sommer die Rosen und die Kaltblüter schnauben in den Ställen.

Abholung Fuhrunternehmen Schöne   

Polizeiliche Beschlagnahmung

Manchmal ist die Todesursache unklar oder es gibt Hinweise auf einen nichtnatürlichen Tod. Dann bringt die Polizei den Toten in das sogenannte Leichenschauhaus der Gerichtsmedizin in Berlin-Moabit. Hier kann eine Obduktion stattfinden, muss aber nicht. Oft wird einfach nach Aktenlage entschieden. Nach der sogenannten polizeilichen Freigabe lasse ich die Tote von dort abholen.

Meine Aufgabe als Bestatter:

Ich koordiniere die Abholung. Als Bestatter bin ich immer bei der Abholung dabei, außer wenn aus den Kühlräumen eines Krankenhauses abgeholt wird. Ich achte darauf, dass die Abholung wirklich erst zu dann geschieht, wenn die Zugehörigen dazu bereit sind. Ich ermutige die Zugehörigen, bei der Abholung selbst tätig zu werden, indem sie beispielsweise helfen, den Toten in den Sarg zu betten oder den Sargdeckel selbst zu schließen.