Die Versorgung der Toten

Bestatter_innen haben unterschiedliche Meinungen dazu, was eine angemessene Versorgung der Toten ist und was nicht, welcher Anblick für die Zugehörigen „zumutbar“ ist und welcher nicht.

Viele Bestatter_innen versuchen, den Toten den Anschein zu geben, als seien diese lebendig. Wir kennen dieses Bemühen von den Post-Mortem-Fotografien des 19. Jahrhunderts. Dort posieren Tote mit ihren Liebsten, sitzen auf Stühlen oder stehen mit Hilfe von Vorrichtungen sogar aufrecht. Tote sollen doch bitte nicht tot aussehen. Dahinter steckt die Angst, dass sich das letzte Bild so einprägt, dass es sämtliche Erinnerungen überlagert.

„Schminkst du die Toten auch?“, werde ich häufig gefragt. Meine Antwort ist: „ich trage Lidschatten und Lippenstift auf, wenn die tote Person das selbst immer gemacht hat.“ Aber ich tue nichts, was einen Toten lebendig oder zumindest schlafend aussehen lässt. Warum sollte ich? Beim Abschiednehmen geht es unter anderem darum, dass die Zugehörigen den Tod ihrer Liebsten begreifen – und zwar im Wortsinne. Und auch das Vergehen des Körpers darf wahrgenommen werden. So fällt es leichter, den Körper der Erde oder dem Feuer zu übergeben.

Warum ich den Mund nicht zunähe

Wenn sich unsere Muskeln entspannen, entspannt sich auch der Kiefer und manchmal steht dann der Mund offen. Die meisten Toten haben den Mund etwa zwei Finger breit geöffnet. Der sperrangelweit geöffnete Schlund, der an den „Schrei“ von Edvard Munch erinnert, kommt nur bei etwa 5% aller Toten vor. Insbesondere vor diesem Anblick fürchten sich manche Zugehörige. Daher gehört es zum guten Ton von konventionellen Bestatter_innen, den Mund jedes Toten mit einer Ligatur zu vernähen. Dabei wird mit einer groben, gebogenen Nadel ein Faden von außen durch den Unterkiefer und durch die Oberlippe in die Nase gestochen, durch die Nasenscheidenwand ins andere Nasenloch geführt und auf der anderen Seite wieder herunter.

Um ehrlich zu sein, ich beherrsche diese Methode nicht. Für mich ist sie ein invasiver Eingriff, der die Toten quält. Man mag einwenden, dass die Toten ja vollkommen schmerzfrei sind, aber allein die Symbolik, jemandem den Mund zuzunähen und den Gesichtsausdruck einzufrieren, ist für mich untragbar. Gerade der Gesichtsausdruck leidet bei der Ligatur, denn die Lippen der Toten werden zusammengepresst, sodass ein verkniffener Ausdruck entsteht. Wenn Zugehörige auf den Mundverschluss bestehen, versuche ich es mit sanfteren Mitteln wie einer Kinnstütze oder dem Hochbinden des Kinnes mit einem Tuch.

Gleiches gilt übrigens für das Verschließen der anderen Körperöffnungen, nämlich der Nasenlöcher, des Anus und der Vagina. Deren Tamponierung gilt als Standard hygienischer Versorgung. Auch die Augen werden in der Regel mit sogenannten Augenkappen, also kleinen Widerhaken auf der Innenseite der Lider, verschlossen. Nach meinem Empfinden sind das grenzüberschreitende Eingriffe, die ich meinen Toten nicht zumuten möchte.

Eine gute Versorgung

Einen Toten gut zu versorgen, heißt für mich liebevolles Zuwenden. Ich versuche, es ihm so behaglich wie möglich zu machen und ihn in eine angenehme Komfortlage zu bringen. Dazu gehört, Schläuche oder Katheder zu entfernen, ihn zu waschen und ihm eigene, frische Kleider anzuziehen. Der Austritt von Flüssigkeiten kann mit einer Einlage oder Windel verhindert werden. Wenn es zum Toten passt, benutze ich wohlriechende Seifen oder ein Massageöl. Die Haare werden gebürstet und die trockenen Lippen befeuchtet. Die Augen drücke ich sanft zu, wenn sie wieder aufgehen, dürfen sie offen bleiben. Ich tue nichts, was ich nicht auch mit Lebenden tun würde.


Gedichte und Gedanken zu Tod und Trauer

In der Kommentarspalte dürfen gerne weitere Gedichte und Gedanken zu Tod und Trauer gepostet werden.


Ich sammle
meine Verluste
in einer Schale
sie blühen schwarz
wie Mohnduft
in mein Niemandsland.

Rose Ausländer


Wenn ich fortgehe
von unsrer vergesslichen Erde
wirst du mein Wort
ein Weilchen
für mich sprechen?

Rose Ausländer


Und Wiesen gibt es noch
und Bäume und
Sonnenuntergänge
und
Meer
und Sterne
und das Wort
das Lied
und Menschen
und

Rose Ausländer


Die große Fracht des Sommers ist verladen, das Sonnenschiff im Hafen liegt bereit.

Ingeborg Bachmann


Der Tod

Der Tod ist eine Blume, die blüht ein einzig Mal.
Doch so er blüht, blüht nichts als er.
Er blüht, sobald er will, er blüht nicht in der Zeit.

Er kommt, ein großer Falter, der schwanke Stengel schmückt.
Du laß mich sein ein Stengel, so stark, daß er ihn freut.

Paul Celan


Der beste Weg etwas zu lieben: realisieren, dass man es verlieren kann.

Gilbert Chesterton


Wie ist die Welt so stille,
Und in der Dämmrung Hülle
So traulich und so hold!
Als eine stille Kammer,
Wo ihr des Tages Jammer
Verschlafen und vergessen sollt.

Matthias Claudius


Sprechen zu dürfen
von dir
mit denen, die dich kannten
dich liebten
Sprechen zu können
von dir
wie du warst
dich in Worten
wiedererleben
nur ein paar
Stunden lang
Und dann
einschlafen
vor dem nächsten
Alleinsein
das doch
unausweichbar
wartet

Gitta Deutsch


Jeder der geht
belehrt uns ein wenig
über uns selber.

Hilde Domin


So kiss me and smile for me
tell me that you’ll wait for me
Hold me like you’ll never let me go
‘Cause I’m leavin’ on a jet plane
Don’t know when I’ll be back again
Oh babe, I hate to go

John Denver


Der Tod verbirgt kein Geheimnis. Er öffnet keine Tür. Er ist das Ende eines Menschen. Was von ihm überlebt, ist das, was er anderen Menschen gegeben hat, was in ihrer Erinnerung bleibt.

Norbert Elias


Immer enger, leise, leise
Ziehen sich die Lebenskreise,
Schwindet hin, was prahlt und prunkt,
Schwindet hoffen, hassen, lieben,
Und ist nichts in Sicht geblieben
Als der letzte dunkle Punkt.

Theodor Fontane


Sein Unglück
ausatmen können

tief ausatmen
so daß man wieder
einatmen kann

Und vielleicht auch sein Unglück
sagen können
in Worten
in wirklichen Worten
die zusammenhängen
und Sinn haben
und die man selbst noch
verstehen kann
und die vielleicht sogar
irgendwer sonst versteht
oder verstehen könnte

Und weinen können

Das wäre schon
fast wieder
Glück

Erich Fried


Ich denke dein, wenn mir der Sonne Schimmer
vom Meere strahlt;
Ich denke dein, wenn sich des Mondes Flimmer
In Quellen malt.

Ich sehe dich, wenn auf dem fernen Wege
Der Staub sich hebt;
In tiefer Nacht, wenn auf dem schmalen Stege
Der Wandrer bebt.

Ich höre dich, wenn dort mit dumpfem Rauschen
Die Welle steigt.
Im stillen Haine geh’ ich oft zu lauschen,
Wenn alles schweigt.

Ich bin bei dir; du seist auch noch so ferne,
Du bist mir nah!
Die Sonne sinkt, bald leuchten mir die Sterne.
O, wärst du da!

Johann Wolfgang von Goethe


Nur wer die Sehnsucht kennt,
Weiß, was ich leide!
Allein und abgetrennt
Von aller Freude
Seh’ ich an’s Firmament
Nach jener Seite
Ach! der mich liebt und kennt,
Ist in der Weite
Es schwindelt mir, es brennt
Mein Eingeweide
Nur wer die Sehnsucht kennt,
Weiß, was ich leide!

Johann Wolfgang von Goethe


Und so lange du das nicht hast,
dieses: Stirb und Werde!
Bist du nur ein trüber Gast
auf der dunklen Erde.

Johann Wolfgang von Goethe


Kummer darf sich nicht in unserem Herzen ansammeln wie Wasser in einem trüben Tümpel.

Vincent van Gogh


Ich möchte diese Birke sein
Die du so liebst:
Hundert Arme hätt ich um dich zu schützen
Hundert grüne und sanfte Hände
Um dich zu streicheln!
Ich hätte die besten Vögel der Welt
Um dich bei Tagesanbruch zu wecken
Und am Abend zu trösten
In den Stunden des Sommers könnt ich dich
Unter Blumenblättern aus Sonne verschütten
In meinen Schatten hüllte ich zur Nacht
Deine ängstlichen Träume …
Ich wollte ich wär diese Birke

Ivan Goll


Alles was schön ist, bleibt schön, auch wenn es welkt. Und unsre Liebe bleibt Liebe, auch wenn wir sterben.

Maxim Gorki


Mein sind die Jahre nicht,
die mir die Zeit genommen,
Mein sind die Jahre nicht,
die etwa möchten kommen
Der Augenblick ist mein,
und nehm’ ich den in acht
So ist der mein,
der Jahr und Ewigkeit gemacht.

Andreas Gryphius 


Herz, mein Herz, sei nicht beklommen,
Und ertrage dein Geschick,
Neuer Frühling gibt zurück,
Was der Winter dir genommen.

Und wie viel ist dir geblieben!
Und wie schön ist noch die Welt!
Und, mein Herz, was dir gefällt,
Alles, alles darfst du lieben!

Heinrich Heine


Wißt ihr, warum der Sarg wohl
So groß und schwer mag sein?
Ich legt auch meine Liebe
und meinen Schmerz hinein.

Heinrich Heine


Flügelt ein kleiner blauer
Falter vom Wind geweht,
ein perlmutterner Schauer,
glizert, flimmert, vergeht.
So mit Augenblicken,
So im Vorüberwehn
sah ich das Glück mir winken,
glitzern, flattern, vergehn.

Hermann Hesse


Nichts hat in der Welt Bestand:
Was da kommt, muss scheiden,
und so reichen sich die Hand
immer Freud und Leiden.

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben


Selig ins Moos
streckte ich mich und wurde Erde.

Jetzt ranken Brombeeren
über mir,
auf einem sich wiegenden Schlehdornzweig
zwitschert ein Rotkehlchen.

Aus meiner Brust
springt fröhlich ein Quell,
aus meinem Schädel
wachsen Blumen.

Arno Holz


Der Frühling kommt wieder mit Wärme und Helle,
die Welt wird ein Blumenmeer,
aber in Deinem Herzen ist eine Stelle,
die blüht nicht mehr.

Ricarda Huch


Man braucht nur eine Insel
allein im weiten Meer.
Man braucht nur einen Menschen,
den aber braucht man sehr.

Mascha Kaléko


Ich werde still sein, doch mein Lied geht weiter.

Mascha Kaléko


Und Trost ist nicht, da du mein Trost gewesen
Und Rat ist nicht, da du mein Rat gewesen
Und Schutz ist nicht, da du mein Schutz gewesen
Und Liebe nicht, da ich um deinetwillen
Die Welt geliebt.

Marie Luise Kaschnitz


Fern kann er nicht mehr sein.
Der tod.
Ich liege wach,
damit ich zwischen abendrot und morgenrot
mich an die finsternis gewöhne
Noch dämmert er,
der neu tag
Doch sag ich, ehe ich’s
nicht mehr vermag:

Lebt wohl!
Verneigt vor alten bäumen euch,
und grüßt mir alles schöne.

Reiner Kunze


Inschrift an ein einer Kirchhofstür

Wer diesem kleinen Schild Beachtung schenkt,
der möge auch das Folgende beachten:
Hier liegen viele, die nicht daran dachten,
daß man viel früher hier liegt, als man denkt.

Erich Kästner


Auf den Flügeln der Zeit fliegt die Traurigkeit davon.

Jean de La Fontaine


Was für die Raupe das Ende der Welt ist, ist für den Rest der Welt ein Schmetterling.

Laotse


Lange saßen sie dort und hatten es schwer.
Aber sie hatten es gemeinsam schwer und das war ein Trost.
Leicht war es trotzdem nicht.

Astrid Lindgren


Die Bande der Liebe werden mit dem Tod nicht durchschnitten.

Thomas Mann


Moon river, wider than a mile
I’m crossin’ you in style someday
Oh, dream maker, you heartbreaker
Wherever you’re goin’, I’m goin’ your way

Two drifters, off to see the world
There’s such a lot of world to see
We’re after the same rainbow’s end,
Waitin’ ’round the bend
My huckleberry friend,
Moon River, and me

Johnny Mercer


Trauer aushalten zu müssen,
welche nicht auszuhalten ist.
Weitergehen sollen,
obwohl die Kraft dazu fehlt.
Leere spüren, nichts als Leere,
obwohl du am Grabe des geliebten Menschen stehst.

Antje Sabine Naegeli


Ich kann deine Hand nicht halten
dich nicht küssen
nicht auf dich zulaufen
in deine Arme nicht springen
wir halten miteinander
die Zeit nicht mehr an
wir heben den Tod nicht mehr auf
Was wir so lange konnten

Elisabeth Plessen


Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras,
er blüht wie eine Blume auf dem Felde;
wenn der Wind darüber geht, so ist sie nimmer da,
und ihre Stätte kennet sie nicht mehr.

Psalm 103,15f.


Irgendwo blüht die Blume des Abschieds und streut
immerfort Blütenstaub, den wir atmen, herüber;
auch noch im kommendsten Wind atmen wir Abschied

Rainer Maria Rilke


Der Tod ist groß,
Wir sind die Seinen 
lachenden Munds.
Wenn wir uns mitten im Leben meinen,
wagt er zu weinen
mitten in uns.

Rainer Maria Rilke


Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.

Ich kreise um Gott, um den uralten Turm,
und ich kreise jahrtausendelang;
und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm
oder ein großer Gesang.

Rainer Maria Rilke


Ach, in meinem wilden Herzen nächtigt obdachlos die Unvergänglichkeit.

Rainer Maria Rilke


Das Leben sagt immer zugleich: Ja und Nein.
Er, der Tod, ist der eigentliche Ja-Sager. Er sagt nur: Ja.

Rainer Maria Rilke


Denn wir sind nur die Schale und das Blatt.
Der große Tod, den jeder in sich hat,
das ist die Frucht, um die sich alles dreht.

Rainer Maria Rilke


Wenn ich tot bin, darfst Du gar nicht trauern.
Meine Liebe wird mich überdauern.
Und in fremden Kleidern Dir begegnen.
Und Dich segnen!

Joachim Ringelnatz


Ich bin der Welt abhanden gekommen,
Mit der ich sonst viele Zeit verdorben,
Sie hat so lange nichts von mir vernommen,
Sie mag wohl glauben, ich sei gestorben!

Es ist mir auch gar nichts daran gelegen,
Ob sie mich für gestorben hält,
Ich kann auch gar nichts sagen dagegen,
Denn wirklich bin ich gestorben der Welt.

Ich bin gestorben dem Weltgetümmel,
Und ruh’ in einem stillen Gebiet!
Ich leb’ allein in meinem Himmel,
In meinem Lieben, in meinem Lied!

Friedrich Rückert


Über alle Gräber wächst zuletzt das Gras,
Alle Wunden heilt die Zeit, ein Trost ist das,
Wohl der schlechteste, den man dir kann ertheilen;
Armes Herz, du willst nicht daß die Wunden heilen.
Etwas hast du noch, solang es schmerzlich brennt;
Das verschmerzte nur ist todt und abgetrennt.

Friedrich Rückert


Wie lange ist es
Nun her, das mit deinem Sohn?
Ich antworte: Sieben Jahre
Und entschuldige mich
Für den Ausbruch meiner Trauer
Das anerkannte Trauerjahr
Längst vorbei
Nicht vorbei die Trauer
Vorbei erst
Wenn es mit mir vorbei ist

Renate Salzbrenner


Geht es dir gut,
werde ich gefragt
im Vorübergehn.
Doch, gut, sage ich
und zeige das passende Gesicht:
Mein gutgehendes Gesicht.
Mein anderes Gesicht
verberge ich liebevoll
unter meiner Kleidung.
Zuhause ziehe ich
mich aus.
Dann darf es seine Trauer tragen.

Renate Salzbrenner


Die Trauer hat Flügel
damit streift sie dich
streichelt dich
Sie deckt dich zu

Sie kann dich auch erdrücken
Gib acht!

Doch wenn du es zulässt
trägt sie dich
weit über die Wolken
weit über die Welt
weit über die Zeit

Renate Salzbrenner


Es sind die Lebenden, die den Toten die Augen schließen.
Es sind die Toten, die den Lebenden die Augen öffnen.

Slawisches Sprichwort


Loslassen
Loslassen bedeutet nicht vergessen,
loslassen heißt nicht,
nicht lieben,
loslassen ist nicht negativ,
loslassen ist nur,
nicht mehr festhalten
loslassen,
im Jetzt sein,
hier sein, die Vergangenheit loslassen,
im Augenblick leben.

Petra Timm-Bortz


Ich hab die Nacht geträumet
wohl einen schweren Traum,
es wuchs in meinem Garten
ein Rosmarienbaum.

Ein Kirchhof war der Garten
ein Blumenbeet das Grab,
und von dem grünen Baume
fiel Kron und Blüte ab.

Die Blüten tät ich sammeln
in einen goldnen Krug,
der fiel mir aus den Händen,
daß er in Stücken schlug.

Draus sah ich Perlen rinnen
und Tröpflein rosenrot:
Was mag der Traum bedeuten?
Ach Liebster, bist Du tot

August Zarnack


Niemand ist fort, den man liebt. Liebe ist ewige Gegenwart.

Stefan Zweig


Die Trauerkarte

Sargbeigaben

Dem Toten noch etwas mitgeben – ein Ritual, das so alt ist wie die Bestattung selbst. Aus ökologischer Sicht darf man alles mit in den Sarg geben, was man mit gutem Gewissen in die Erde oder ins Feuer geben kann. Dazu gehören auch die eigenen Kleider und die eigene Bettwäsche. Ich lade Zugehörige ein zu überlegen, was sie ihrer Toten mitgeben möchten. Die Resultate sind manchmal erstaunlich kreativ und berührend.

Was soll mit in den Sarg?

Worüber hätte sich die Tote wirklich gefreut? Zum Beispiel über Fotos von den Liebsten oder über ein kleines Geschenk? Ein Stein oder ein Andenken, das wichtig war?

Gab es etwas, dass die Tote immer bei sich hatte, zum Beispiel Bonbons, Stofftaschentücher, Zigaretten? Soll der Ehering oder die Armbanduhr mit in den Sarg? Hat sie sich geschminkt oder Parfum getragen?

Was hat sie gerne gegessen? Soll sie Reiseproviant mitbekommen? Zum Beispiel Schokolade, Gebäck, Obst oder eine Flasche Wein?

Womit vertreibt sie sich die Zeit? Zum Beispiel mit einem Buch, einem Rätselheft, mit Musik, einer Zeitung oder einem Spiel?

Ist noch etwas offen, das zu Lebzeiten nicht gesagt werden konnte, und was in einem Brief gesagt werden kann?

Beispiele für Sargbeigaben

Emre*, hat es geliebt, vormittags in der Sonne zu sitzen und zu genießen. Er bekommt ein Pfund Kaffee samt Lieblingstasse, Kekse, seine Lesebrille und die aktuelle Zeitung mit in den Sarg. Außerdem haben seine Enkel Bilder für ihn gemalt.

Sladja* ist in ihrem Leben viel gereist. Mit in den Sarg bekommt sie Münzen aus aller Welt. Eingehüllt ist sie in eine Decke aus Äthiopien, außerdem begleitet sie ein Buddha aus Laos und ein Säckchen Erde aus ihrer niedersächsischen Heimat.

Jonas* bekommt von seinen Freunden ein Bier und etwas zu rauchen. Außerdem einen Stick mit einer Playliste, ein Teddy aus Kindertagen und Fotos von seiner Familie. Er liegt in seiner grünen Lieblingsbettwäsche.

Rebekka* wollte in einem einfachen Leinentuch bestattet werden. Alle ihre Freund_innen haben ihr vorher letzte Grüße auf das Tuch geschrieben. Außerdem geben sie Rosenblätter mit in den Sarg.

darf in den Sarg
Mercedes hat in ihrer Handtasche ihre Geldbörse, ein Nähset, Halsbonbons, ein Herz aus Bügelperlen und einen Rosenkranz mitgenommen.

Gute Trauerredner_innen

Eigentlich werbe ich dafür, dass die Zugehörigen auf der Trauerfeier selbst sprechen. Aber manchmal ist es sinnvoll, (zusätzlich) eine gute Trauerredner_in zur Trauerfeier einzuladen. Diese hält den Rahmen, indem sie die Trauerfeier moderiert oder die vielfältigen Stimmen der Zugehörigen in einer Trauerrede vereinigt. In einer guten Trauerrede wird der Tote erinnert, sein Sterben gemeinsam betrauert und die Verbundenheit zu ihm bestärkt.

Nicht jeder Trauerredner passt zu jeder Familie und jedem Toten. Im Folgenden stelle ich unterschiedliche Trauerreder_innen vor, mit denen ich gerne zusammenarbeite. Sie alle sind überkonfessionell und lassen sich auf die Lebensgeschichte des Toten ein:

Alle Trauerredner_innen bieten:
  • ein mehrstündiges, persönliches Vorgespräch, in dem das Leben der verstorbenen Person ausführlich besprochen wird. Auch die Gestaltung der Feier, die Auswahl der Musik und eventuelle Rituale oder besondere Wünsche werden bei diesem Gespräch geplant
  • die Durchführung der Rede
  • das Redeskript nach der Trauerfeier
  • Kosten pro Rede: 400,00 EUR brutto (Ich nehme keinen Aufschlag.)

Anneli Klostermeier-Fehr verfügt über die Gabe, sich mit den Toten liebevoll zu verbinden. Sie erzählt die schönste Version der Toten, so wie er oder sie sich gerne gesehen hätte, ohne dass Schwieriges verschwiegen wird. Im Vorgespräch fügt sich das Geschehene oft noch einmal zu neuen stimmigen Bildern und Sichtweisen. Anneli Klostermeier-Fehr ist Dramaturgin und Journalistin und hat drei Kinder im Schulalter.

Britt Hartmann lässt die Lebensmelodie der Toten erklingen, indem sie sich deren Leben auf ihre ganz eigene Weise annähert. Ihr Symbol, das Tränende Herz, steht für die Kraftquelle der Natur, die sie zu passenden Worten und individuellen Trauerritualen für die Hinterbliebenen inspiriert. Britt Hartmann ist 52 Jahre alt, Sozialpädagogin und Trauerbegleiterin. Im Kirchenkreis Reinickendorf leitet sie eine Trauergruppe für früh verwitwete Menschen.

Daniela Klein beginnt ihre Trauerreden immer mit einem Bild, einer Metapher oder einer kurzen Erzählung, die das Wesentliche der Toten widerspiegeln. Sie führt die Trauergemeinde durch die Trauerfeier und lädt ein, das Leben, die Wünsche und Sehnsüchte der Toten zu betrachten und ihr Vermächtnis zu würdigen. Daniela Klein ist 49 Jahre alt, hat in mehreren Ländern gelebt und ist unter anderem Historikerin, Theatermacherin und Fotografin.

Marco Ammer ist der Mann der Struktur. Aber sein formaler Datenbogen täuscht über die Hingabe und Leidenschaft hinweg, mit der er sich seiner Aufgabe als Trauerredner und Trauerbegleiter widmet. Einfühlsam und zugewandt kümmert er sich um die Toten und die Lebenden. Marco Ammer ist 42 Jahre alt, Schauspieler, Fernsehmoderator und Synchronsprecher.

Seebestattung in der Ostsee

Meer

Wenn man ans Meer kommt
soll man zu schweigen beginnen
bei den letzten Grashalmen
soll man den Faden verlieren 

und.den Salzschaum
und das scharfe Zischen des Windes einatmen
und.ausatmen
und wieder einatmen

Wenn man den Sand sägen hört
und das Schlurfen der kleinen Steine
in langen Wellen
soll man aufhören zu sollen
und nichts mehr wollen wollen nur Meer 
Nur Meer

— Erich Fried

Seebestattung in der Ostsee

In der Frühe war ich mit dem Auto von Berlin zu meiner ersten Seebestattung aufgebrochen. Es war ein grauer, nasskalter Tag, eigentlich kein Wetter für eine Bootsfahrt. Ich bin ohnehin kein Freund von schwankendem Untergrund, aber ich wollte gerne diesen Verstorbenen und seine Angehörigen bei seiner letzten Fahrt begleiten. Der 74-jährige Heiner* war als junger Mann selbst viel gesegelt, unzählige Ostseeurlaube und schließlich eine Kreuzfahrt zum Nordkap zeugten von seiner Wasser-Leidenschaft. Die Entscheidung für eine Seebestattung war der Familie leicht gefallen.

Zunächst fuhr ich zur Reederei, die sich in einem kleinen, reetdachgedeckten Häuschen in der Nähe von Warnemünde befand. Der freundliche, ältere Kapitän erwartete mich schon, prüfte die Urne und die Papiere und fuhr mit mir zur Anlegestelle am Hafen. Am Meer wehte ein kräftiger Wind, Geruch von Salz und Seetang stieg mir in die Nase. Wir bestiegen die kleine MS Junimond. Ich postierte die weiße Seeurne in einem Kranz aus Tauen auf einem Holzsockel und stellte eine Schale mit Rosenblättern dazu. Möwen umkreisten den Schiffsmast, das unruhige Meer war schiefergrau.

Schließlich kamen die Angehörigen in bunten Regenjacken: Heiners Ehefrau Ulla*, der erwachsene Sohn Christian* und dessen Frau Rechja*. Die drei waren unsicher und ängstlich vor dem letzten Abschied. Aber sie blickten mir alle fest in die Augen, bereit für den letzten Gang. Wir hatten vereinbart, keine Trauerfeier im strengen Sinne abzuhalten. Worte waren hier ohnehin nicht nötig. Ulla ging direkt zur Urne und legte ihre Hand darauf. Die ganze Fahrt über stand sie dort schweigend, die eine Hand an der Urne, die andere untergehakt bei ihrem Sohn.

Als wir schließlich die genaue Beisetzungsstelle erreicht hatten, stoppte der Kapitän die Fahrt. Ich durfte die kleine Schiffsglocke läuten. Ulla küsste die Urne und übergab sie dem Kapitän. Der hob sie vorsichtig über Bord und ließ sie langsam an zwei Tauen ins Wasser gleiten. Ruhe in Frieden, sagte er, während er die Taue losließ. Die Urne ging nicht sofort unter, sondern sie trieb noch einige Sekunden auf den Wellen. Christian und Rechja streuten die Rosenblätter auf das bewegte Wasser. Die Blätter bildeten einen roten Blütenteppich und wir schauten ihnen lange nach. Schließlich betätigte der Kapitän dreimal das Schiffshorn, dann wendete er und nahm Kurs auf den Hafen.

Auf der Rückfahrt war die Stimmung gelöster, am Horizont blitzte sogar die Sonne zwischen den Wolken hervor. Wir saßen am Tisch und der Kapitän reichte uns heißen Tee. Rechja fragte nach der Vergänglichkeit der Seeurne. Der Kapitän erklärte, dass sich die Überurne in einigen Stunden auflöse und die Asche sich dann auf dem Meeresgrund verteile. Wohin Heiners Asche geschwemmt würde, könne niemand genau sagen, doch vielen gefalle die Vorstellung, dass die Asche bald in allen Weltmeeren treibe.

Zurück auf Festland trennten wir uns, der Abschied war herzlich. Trotz allem war ich froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben.

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Welches Grab

Wie riecht der Tod?

Die Frage nach den Gerüchen des Todes treibt viele Menschen um. Ja, der Tod riecht – so wie alles Menschliche. Der Verwesungsgeruch eines Menschen ist süßlich, ein bisschen metallisch, aber nicht unbedingt unangenehm. Manchmal mischt sich darin der Dunst von Stuhl, Blut oder Schweiß. Daher waschen wir die Toten gründlich und ziehen ihnen frische Kleider an. Es gibt den alten Brauch, wohlriechende Kräuter wie Lavendel, Lorbeer oder Rosmarin zu den Toten zu legen. Sie mildern den Verwesungsgeruch. Vormals dienten sie zur Abwehr böser Geister.

Aus der biblischen Ostererzählung kennen wir die Totensalbung, wo Jesu Leichnam nach drei Tagen mit kostbaren Ölen gesalbt werden sollte. Auch heute reiben wir den Toten die Hände und das Gesicht mit duftendem Öl ein, beispielsweise mit Sandelholz, Rose oder Jasmin. Manchmal bekommen die Toten ihre eigene Handcreme, ihren Lippenbalsam oder ihr Lieblingsparfum.

Wie riecht der Tod
Mit duftenden Ölen reiben wir den Toten die Hände ein.

Dass die Verwesung fortschreitet, verrät uns als erstes unsere Nase. Am Geruch merken wir schließlich, dass es Zeit für den toten Körper ist, in die Erde oder ins Feuer zu gehen. Im Krematorium riecht es nach Ruß und Rauch, nicht unähnlich einem Kartoffelfeuer. Der Körper verschmorrt nicht, sondern er fängt Feuer und seine Atome werden der Atmosphäre übergeben.

Bei der Trauerfeier dürfen wir uns an den Düften der Blumen erfreuen: Rosen, Gerbera, Lilien, Veilchen, Camille, Pfingstrosen und viele andere. Der schwere Duft der Blumen erfüllt oft die ganze Trauerhalle und trägt uns durch die Feier. Wir können das frisch geschnittene Holz des unbehandelten Sarges riechen.

Zuletzt wird der Sarg oder die Urne in die Erde gesenkt. Feucht und moosig riecht die Erde. In ihr haben wir alle unseren Ursprung. Erde zu Erde, Asche zu Asche und Staub zu Staub.

Urnengrab

Der Tod

Der Tod ist eine Blume,
die blüht ein einzig Mal.
Doch so er blüht, blüht nichts als er.
Er blüht, sobald er will, er blüht nicht in der Zeit.

Er kommt, ein großer Falter, der schwanke Stengel schmückt.
Du laß mich sein ein Stengel, so stark, daß er ihn freut.

Paul Celan

Mein erster Toter

Mein erster Toter war Herr Meier. Ich habe ihn in meinem Praktikum bei memento Bestattungen kennen gelernt. An meinem zweiten Praktikumstag war ich mit Jan von memento zum Waschen und Anziehen von Herrn Meier verabredet. Bisher war meine Vorstellung von Toten eher gruselig gewesen: ich hatte Bilder von gespenstischen Zombies und Toten im Kopf, die mit langgewachsenen Haaren und Nägeln im Sarg wieder aufwachten. In der Nacht vor unserem Treffen konnte ich nicht schlafen. Würde ich mich vor dem Toten sehr erschrecken? Und was sollte mein Mentor Jan von mir denken, wenn ich ängstlich reagieren würde; schließlich wollte ich ja eigentlich Bestatter werden.

Bei Tageslicht sah es schon besser aus. Jan und ich radelten zum Krematorium Hennigsdorf durch die grüne Natur und Jan erzählte mir ein bisschen von Herrn Meier. Seine Asche werde auf dem Friedhof Ohlsdorf in Hamburg beigesetzt, wo er seine Kindheit verbracht habe. Außerdem hatte Jan von den Zugehörigen einen schwarzen Anzug und ein kleines Schachbrett mit Figuren für den leidenschaftlichen Schachspieler bekommen – das gefiel mir.

Als wir im Krematorium ankamen, zitterten mir doch etwas die Knie. Wir gingen in den kleinen Ankleideraum, wo schon der geschlossene Sarg bereitstand. Zuerst öffneten wir gemeinsam den Sarg. Dort lag Herr Meier mit ledriger Haut und weit geöffnetem Mund in einem blutigen Krankenhauskittel. Ein leicht süßlicher Geruch ging von ihm aus. Schläuche ragten aus seinem Körper, er sah elend aus. “Hallo, Herr Meier”, sagte Jan, “wir werden Sie jetzt für die letzte Reise zurecht machen.” Vorsichtig schnitt Jan das Nachthemd auf und entfernte mit geschickten Handgriffen die Infusionsnadeln und Schläuche. Ich durfte mit einer Schere das Namensbändchen von Herrn Meiers Zeh entfernen. Der Fuß war kalt und steif. Dann bat Jan mich, mit lauwarmem Wasser die Pflasterspuren abzuwaschen. Das ging ganz gut und ich konnte mir auf diese Weise den unbekannten Körperzustand vertrauter machen.

Schließlich zogen wir Herrn Meier eine frische Unterhose und eine schicke schwarze Stoffhose an. Jan wies mich an, wo ich Herrn Meier anfassen sollte und wie ich ihn halten musste. Dann bekam Herr Meier noch ein weißes Hemd mit Manschettenknöpfen und ein Jackett angezogen. Ich schwitzte bei vollem Körpereinsatz. Schließlich durfte ich ihm die Socken und die glänzenden Lederschuhe anziehen; Jan band ihm eine große schwarze Fliege um den Hals – aus dem elenden Mensch im verschmutzten Krankenhauskittel war ein Gentleman geworden.

Im Anzug sah Herr Meier tatsächlich würdevoll aus, auch sein offener Mund störte mich nicht mehr, im Gegenteil, es machte ihn irgendwie verschmitzt. Ganz zum Schluss richteten wir ihm das Kissen und legten ihm das Schachbrett und die Figuren dazu.

mein erster Toter

Zum ersten Mal einen Toten sehen

Durch das Hantieren am toten Körper hatte ich alle Angst verloren. Obwohl ich Herrn Meier zu Lebzeiten nicht gekannt hatte, war er mir irgendwie vertraut geworden. Das also war mein erster Toter. Ich war stolz darauf, ihm etwas Gutes getan zu haben. Als wir den Sarg schlossen, verabschiedete ich mich von ihm und wünschte ihm eine gute Reise.

Draußen schien die Sonne. Glücklich und erleichtert stieg ich aufs Rad und fühlte, wie kostbar und schön das Leben war – und insbesondere mein Leben als Bestatter, das an diesem Tag begonnen hatte.

mein erster Toter

So war es bei unserer Veranstaltung

Eine toller Tag zum Tod liegt hinter uns. Wir sind überwältigt von so viel Interesse am Tod. Unser Dank geht an Eva Müller, die nicht nur zwei tolle Lesungen aus ihrem Comic “Sterben ist echt das Letzte” mit speziellen Sounds abgeliefert hat, sondern auch noch dazu beigetragen hat, dass der Leere Raum zu einer richtigen Kunstgalerie geworden ist. Auch ihre Trauerkarten waren in kürzester Zeit verkauft:

Was schreiben zur Beerdigung?
©evamueller.org

Kondolenzkarte Statt Herzliches Beileid
Copyright by evamueller.org

Trauerkarten
©evamueller.org

Michael Steinhauser hat uns seinen einstündigen Dokumentarfilm “Mondlicht” gezeigt, in dem es aus verschiedenen Perspektiven um die Entsorgung von alten Menschen ging. Karsten* Kaeding hat unter dem Titel “Totschweigen oder drüber reden” Kinderbücher zum Tod vorgestellt. Karstens* Powerpointpräsentation kann man hier runterladen. Wir, cass Yousef und Julian Heigel, haben Einblicke in unserer tägliche Arbeit als Bestatter_innen gegeben. Und wie immer war das einhellige Feedback: Ich wusste gar nicht, was man bei einer Bestattung alles machen kann.

In den pinken Sarg haben sich auch viele Leute gelegt. Einige wollten gar nicht mehr raus. Das Sterbehemd, hier ein “Damentalar”, verkaufe ich übrigens nicht. Ich wollte nur zeigen, wie überflüssig es ist, denn die meisten Leute wollen auch im Sarg nicht tragen, was sie im Leben niemals anziehen würden.

Bunter Sarg

Probeliegen im Sarg

Sarg von innen

Sarg selbst gestalten

Außerdem gab es ein tolles Kuchenbuffet und eine Kinderecke. Julia hat das Kinderschminken übernommen, danke, Julia! Jemand hat geschrieben: “Der Raum war gefüllt mit Menschen aller Generationen. Familien, Kindern, Jugendlichen…. Die Begegnungen dort haben mir gut getan. Es wurde viel gelacht, umarmt, gespielt.”

Das Kuchenbuffet:

Kuchen in Sargform

Deathcake

Deathsalon

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zum Abschluss der Veranstaltung haben wir noch ein gemeinschaftliches Ritual gemacht: Loslassen üben, haben wir das genannt. Den ganzen Tag lagen Zettel aus, auf die jede_r aufschreiben konnte, was er_sie loslassen möchte: einen Gedanken, ein Verhalten, einen Menschen – Schönes, Trauriges, Schmerzhaftes. Zu den Klängen von Fabians Trompete haben wir die Zettel in einer Feuerschale angezündet und ins Feuer geschaut – ein besonderer Moment für uns alle.

Wir sind toll unterstützt worden von dem Team vom Leeren Raum und ganz besonders von Jahn. Vielen, vielen Dank auch an Jaro, Fabian, Tillmann❤, Ina, Natalie, Lea Luise, Helge, Juliane, Anneli und Bernd Tonat.

Funeralmarch

Deathart Skeleton

 

Wegen zahlreicher Nachfragen: Ja das machen wir ganz sicher irgendwann nochmal. Eure Anregungen, Ideen und Wünsche könnt ihr unterdessen gerne an uns schreiben.

Ein neues Jahr beginnt – wir widmen uns dem Ende

Ein neues Jahr beginnt – wir widmen uns dem Ende mit einem ganzen Tag zum Tod

Der Tod kann grausam sein, er ist angstbesetzt, geheimnisvoll, manchmal auch erlösend und sanft. Ohne den Tod wäre das Leben unerträglich. Er gehört zum Leben dazu und ist doch dessen Gegenteil.

Auf unterschiedliche Weise wollen wir uns am 3. Februar 2018 dem Tod annähern. Im Leeren Raum am S-Bahnhof Schöneberg ist Platz für Filme, Lesungen, Gesprächsrunden, Talltalk, Livemusik und so lebensnotwendige Dinge wie Kuchen.

Im Mittelpunkt steht die Comic-Lesung des neu erschienenen Comics “Sterben ist echt das Letzte” von Eva Müller. Sie hat auch das obige Bild gezeichnet.

Programm:
  • 12–14: Dokumentarfilm “Mondlicht” von und mit Michael Steinhauser
  • 14–15: Comic-Lesung 1 “Sterben ist echt das Letzte” mit Eva Müller
  • 15–16: Vorstellen von Kinderbüchern zum Tod mit Karsten*
  • 16–17: Bestattungstalk Die eigene Bestattung planen mit cass und Julian
  • zeitgleich 16:30–17: Geschützte Suizid-Austauschrunde mit Karsten*
  • 17–17:45: Comic-Lesung 2 “Sterben ist echt das Letzte”
  • 18: Livemusik vom einsamen Trompeter Fabian, Deathjazz
den ganzen Tag:
  • Kaffee und Kuchen in Sarg – und Schädelform
  • Kinderschminken mit Julia
  • Kinderbetreuung mit Jahn und Schmicky
  • Probeliegen im Sarg mit Anneli
  • Abschiedstempel zum Loslassen üben

Am Samstag, 3. Februar 2018, 12-18.30 Uhr im Leeren Raum, Ebersstraße 27, 10827 Berlin-Schöneberg. Es gibt keine rolligerechten Toiletten. Der Eintritt ist frei, wir bitten um eine Spende für den Raum.
Veranstaltet von cass Yousef und Julian Heigel von Thanatos Bestattung.

 

Nachtrag: Hier gibt es eine Rückschau mit Fotos.

Symbolische Babybestattung

Auch die Beendigung einer Schwangerschaft in einem sehr frühen Stadium darf man betrauern. Manchen hilft als Abschiedsritual eine symbolische Bestattung. Neulich durfte ich eine begleiten:

Babylunz lebte sechs Wochen als Eileiterschwangerschaft, ohne dass seine Eltern Noël und Chris davon wussten. Noël hatte plötzlich starke Schmerzen und blutete. Mit dem Notarztwagen fuhren Noël und Chris ins Krankenhaus. Dort gab es eine Notoperation. Noël und Chris waren beide geschockt und wurden nicht gefragt, ob sie Babylunz noch einmal sehen wollten. Eigentlich ist es möglich, ein totgeborenes Baby unter 500g einfach mit nach Hause zu nehmen, aber das sagte den beiden niemand. Babylunz landete im Gewebeabfall des Krankenhauses und wurde später verbrannt. Nachdem Noël aus dem Krankenhaus entlassen war, hatten die beiden das Gefühl, Babylunz zumindest symbolisch verabschieden zu wollen. Sie riefen mich an, wir trafen uns und vereinbarten eine symbolische Beerdigung für Babylunz.

Das symbolische Grab sollte auf einer Brachfläche unweit der Wohnung im Berliner Süden sein. Außer mir und den beiden Eltern waren noch Jora und der dreijährige Micky dabei. Zu fünft stapften wir durch den laubbedeckten Matsch, bis Noël sagte: hier machen wir es. Wir gruben mit einer Handschippe ein kleines Loch. Noël hatte ein Stück Wolle in ein kleines Stofftäschchen gelegt. Jora hatte zwei gleiche Ketten gebastelt, eine für Babylunz und eine für Noël. Noël legte das Stoffsäckchen und die eine Kette in das Loch. Dann las Noël einen Brief vor:

“Hallo Babylunz, leider haben wir uns nicht kennen gelernt, aber ich möchte mich dennoch von dir verabschieden… Als ich erfahren habe, dass du da bist, habe ich mich sehr gefreut und doch war die Freude kurz. Leider musstest du aus mir herausgeschnitten werden, weil du den Weg in meinen Körper nicht gefunden hattest. Vielleicht wäre die Welt auch zu anstrengend für dich gewesen und so hattest du nur 6 warme Wochen im Bauch… Ich hätte mich sehr auf dich gefreut, Chris wäre dir ein liebevoller Papa gewesen und Micky hätte schön mit dir gespielt und viele andere auch. Ich glaube, dass du mich ein Leben lang begleiten wirst. Schön, dass du da warst…”

Babybestattung

Dann verbrannte Noël den Brief und ließ die Aschereste ins Grab fallen. Wir alle warfen eine Handvoll Erde in das Grab, dann schaufelten wir das Loch zu und strichen die Erde glatt. Auf das Grab legten wir Blüten. “Tschüß, Babylunz”, sagte Micky. Dann saßen wir noch eine Weile zusammen am Grab.

 

Dinge, die man auf einer Trauerfeier selbst machen kann