Spenden statt Blumen

Viele Menschen haben bei einer Bestattung das Bedürfnis, der Verstorbenen etwas zu schenken, zum Beispiel Blumen. Bei einem Urnengrab ist der Platz für Blumen oft begrenzt, die schönen Blumengestecke kommen dann wenig zur Geltung und werden nach wenigen Tagen abgeräumt. In Bestattungswäldern sind Blumen ohnhin nicht vorgesehen. Viele Zugehörige entscheiden sich daher für Spenden statt Blumen.

In ländlichen Gegenden ist es teilweise üblich, Geld für die Beerdigungskosten zu spenden und in die Kondolenzkarte einen Geldschein zu stecken. Es sollte allerdings abgewogen werden, ob die Zugehörigen das Geld brauchen und ob man selbst genug hat.

Es kann passend sein, Geld für ein Projekt zu sammeln, das der Verstorbenen am Herzen lag oder für das sie selbst schon gespendet hat.

Themenfelder können sein: Gemeinnützige Organisationen, Forschung, Hobby, Stiftungen, Kultur, Gesundheit, Naturschutz

Zum Beispiel: Spenden statt Blumen

Kinderhilfswerk, Deutsche KinderKrebshilfe, UNICEF, Lebensmittelausgaben/Suppenküchen, Kältehilfe, Caritas / Diakonie, Malteser, BUND, Tierheime, Ärzte ohne Grenzen, Seenotrettung

Für würdiges Sterben setzen sich beispielsweise ein: (Kinder-)Hospize, Wünschewagen, Hope’s Angels, Sarggeschichten e.V.

Spenden können zweckgebunden oder nichtzweckgebunden sein. Manche richten dafür ein eigenes Konto ein. Die meisten Vereine oder gemeinnützigen Organisationen nehmen Spenden direkt an und stellen Spendenquittungen aus.

Der Text auf der Trauerkarte oder in der Traueranzeige kann lauten:

Statt Blumen bitten wir um eine Spende für …
Verwendungszweck: Name der Verstorbenen

Wer trotz Spende nicht mit „leeren Händen“ zur Trauerfeier kommen möchte, kann eine einzelne Blume fürs Grab mitbringen. Dies ist auch bei einem Urnengrab möglich.

Spenden statt Blumen

Wie finde ich einen guten Bestatter?

Trends in der Bestattung

Für ein Kirchenmagazin habe ich einige Trends in der Bestattung aufgegriffen. Die verschiedenen Stichpunkte zeigen vor allem, dass sich Bestattungen heute nicht mehr über einen Kamm scheren lassen, sondern dass sie sich in einer pluralen Gesellschaft ausdifferenzieren.

1. Naturbestattungen 

Der Trend geht zur Naturbestattung, nämlich Beisetzungen im Begräbniswald oder im Meer, ohne Grabstein und ohne Grabpflege. Die Gründe dafür sind vielfältig. Viele Familien leben heute verstreut und können nicht garantieren, über Jahrzehnte ein Grab zu pflegen; manche wollen es schlicht nicht. Auch die Aussicht, die letzte Ruhe im Grünen zu finden, ist für viele attraktiv. Die Auslagerung der Toten vor die Tore der Städte und Dörfer führt allerdings auch zu einer Veränderung der Friedhofskultur. Viele Friedhöfe veröden, haben zu wenig Beisetzungen und zu viel Freifläche. Kommunale und kirchliche Friedhöfe sollten nicht einfach nur auf alte Rechte pochen, sondern auf die veränderten Bedürfnisse einer mobileren Gesellschaft reagieren, zum Beispiel durch weniger strenge Auflagen in der Grabgestaltung, pflegefreie Angebote oder zeitlich flexiblere Konzepte. Friedhöfe können lebendige Orte der Begegnung sein mit Cafés, Ausstellungen oder sogar mit Spielplätzen.

2. Einsam sterben

Rund 6% aller Toten werden in Deutschland ordnungsbehördlich bestattet, weil sie keine Angehörigen oder Freund_innen haben, die sich um ihre Bestattung kümmern. Damit sind nicht die sogenannten Sozialbestattungen gemeint, bei denen der Staat mittellose Angehörige bei der Deckung der Beerdigungskosten unterstützt, sondern Bestattungen von Menschen, die oft schon im Leben und im Sterben einsam sind. Viele von ihnen sind von Armut betroffen und von der Gesellschaft an den Rand gedrängt. In Berlin finden sich die Gräber dieser ordnungsbehördlich Bestatteten auf einem katholischen Friedhof. Dort reiht sich Namensschild an Namensschild, Hunderte, Tausende liegen hier dicht nebeneinander, deren Schicksal man nur erahnen kann. Mancherorts bieten Kirchen oder andere Initiativen Gedenkveranstaltungen für diese Menschen an.

3. Mitgestaltung der Trauerfeier

Der Pfarrer spricht, die Trauergemeinde lässt die Trauerfeier stumm über sich ergehen – so ist noch immer das gängige Bild einer Beerdigung. Allerdings passt diese Frontalsituation weder zu heutigen Kirchengemeinden, noch zu anderen Gemeinschaften. Heute dürfen alle, die wollen, bei einer Trauerfeier mitwirken: Zugehörige können zum Beispiel eigene Worte sprechen oder diese vorlesen lassen, passende Musik aussuchen, den Sarg oder die Urne gestalten. Die Trauergäste können beispielsweise gute Wünsche aufschreiben und diese in den Himmel steigen lassen. Beerdigungen dürfen heute vielstimmig sein, vielleicht sogar widersprüchlich. Authentisch Empfundenes bekommt Raum und die Trauernden dürfen sich zeigen. Eine zeitgemäße (geistliche) Begleitung gibt die Impulse dazu.

4. Abschied vom toten Körper

Bei einer guten Bestattung nimmt das Bestattungsunternehmen den Trauernden nicht alles aus der Hand, sondern unterstützt sie darin, den passenden Abschied zu finden. Vielen Zugehörigen tut es gut, den Verstorbenen gemeinsam zu waschen und anzukleiden und auf diese Weise dem Verstorbenen einen letzten Liebesdienst zu erweisen. Auch die Totenwache mit Gebeten, Erzählen und Schweigen ist ein uralter Brauch, der hilft, den Tod eines geliebten Menschen zu begreifen und anzunehmen. Wenn ein Mensch stirbt, steht die Zeit still – früher hat man das mit dem Anhalten der Uhr zum Ausdruck gebracht. Dann muss erst einmal gar nichts getan werden. Es ist genug Zeit, um einfach nur bei dem Verstorbenen zu sitzen, die Stille zu spüren und vielleicht die eigene Erschöpfung zuzulassen.

5. Kinder bei der Bestattung 

Früher wurden Kinder oft nicht zur Beerdigung von nahen Verwandten mitgenommen. Heute hat sich das geändert. Aus der Trauerpsychologie wissen wir, dass wir Kinder nicht vor der Trauer schützen können, indem wir sie um ihren Abschied bringen. Vielmehr gilt es, den Abschied kindgerecht zu gestalten und Kindern sinnvolle Abschiedsrituale anzubieten. Beispielsweise können sie den Sarg oder die Urne gestalten, Sargbeigaben aussuchen, ein Bild malen, welches mit ins Grab gegeben wird, auf der Trauerfeier die Kerzen entzünden oder ausblasen, Blumen streuen oder am Ende das Urnengrab zuschaufeln und die Blumen aufs Grab legen. Es wichtig, Kinder mit klaren Worten vorher zu erklären, was bei einer Bestattung geschieht und ihnen echte Wahlmöglichkeiten zu lassen.

6. Bestattungen in Zeiten von Corona

Corona bringt auch der digitalen Trauerfeier einen Aufschwung. Die Erfahrungen der letzten Monate zeigen, dass Menschen sich auch miteinander verbunden fühlen, wenn sie sich nur im virtuellen Raum treffen. Auch hier kann man zusammen an den Verstorbenen denken, Trauerreden hören, Gottesdienste feiern, gemeinsam Musik hören, Gedanken austauschen und Kerzen entzünden. Der Abschied vom toten Körper ist in Corona-Zeiten manchmal nicht möglich. In diesem Fall kann man Pflegekräfte oder Bestattende bitten, von den Verstorbenen Fotos oder Fingerprints zu machen oder Haarsträhnen zu entnehmen. In jedem Fall darf man Sargbeigaben mit in den Sarg geben, zum Beispiel einen Brief, ein Kuscheltier, Schokolade etc.

7. Umweltbewusst bestatten

Kühlung, Transport, Kremation, Sargholz aus Russland, Rosen aus Südafrika, Grabstein aus Indien – auch auf den letzten Metern verbrauchen wir noch eine ganze Menge CO2. Ein Umdenken in der Bestattungsbranche bahnt sich erst langsam an und nur wenige Menschen sind bisher bereit, für regionale Produkte und umweltfreundlichere Materialen mehr zu bezahlen. Die Feuerbestattung mit ihrem hohen Energieaufwand ist in Deutschland derzeit die beliebteste Bestattungsart, die Tendenz ist steigend. Doch auf Dauer wird man sich nach umweltfreundlicheren Bestattungsmethoden umsehen müssen. Bis sich allerdings Recompose (Kompostierung) Promession (Gefriertrocknen) oder alkalische Hydrolyse (Lauge) in Deutschland durchsetzen, werden sicher noch einige Jahrzehnte vergehen.

Trends in der Bestattung

selbst gemalter Sarg
Auch diese Sargbemalung entstand während einer nächtlichen Totenwache.

Selbstversuch Totenfürsorge

Auf der Bremer Messe „Leben und Tod“ 2019 bot meine Kollegin Sarah Benz von den Sarggeschichten einen Workshop zur Totenfürsorge an. Es ging darum, mit den circa 15 Teilnehmenden eine Totenfürsorge zu gestalten. Dazu brauchte es einen Toten und den sollte ich spielen. Ich musste mich bis auf die Unterhose ausziehen und auf eine Liege legen. Vorher hatte ich ein paar Stichworte zu meiner Person gesagt, die ich in diesem Zusammenhang für wichtig hielt: Mir ist schnell kalt, ich werde nicht so gerne von fremden Menschen angefasst, ich mag klassische Musik und spiele Orgel.

Und nun schloss ich die Augen und spitzte die Ohren, um zu hören, was die anfangs schüchternen, mit der Zeit immer selbstbewusster werdenden Teilnehmenden für Gedanken hatten. Sie berieten sich, dass sie mich gerne mit warmem Wasser waschen würden, aber nicht zu intensiv. Damit ich nicht frierte, deckten sie meinen Körper mit einer leichten Wolldecke ab. Jemand hatte den Impuls, mit einem angenehm warmen Waschlappen und duftender Seife meine Hände zu waschen, ein andere Person widmete sich meinen Füßen. Es waren liebevolle Berührungen von Menschen, die ich nicht kannte.

Sie sprachen dann über Musik, jemand hatte Orgelkonzerte von Händel auf seinem Handy. Die wuchtige Orgelmusik aus dem scheppernden Lautsprecher war nicht nach meinem Geschmack, aber Tote äußern sich nicht zu solchen weltlichen Dingen. Überhaupt wurde es mir zunehmend gleichgültiger, was die Lebenden mit meinem Körper veranstalteten. Die Schwerkraft zog meine Gebeine nach unten, während mein Geist sich mehr und mehr nach innen richtete. Die Lebenden gaben sich viel Mühe, sie zogen mir behutsam die Hose an und strengten sich an, mir T-Shirt und Pullover über den Kopf zu ziehen, ohne mir weh zu tun. Ich dagegen gab mich der unendlichen Entspannung meiner Gesichtsmuskulatur und dem Enthobensein aller Mühsal hin. War es so, tot zu sein? Ich fühlte mich geborgen und gleichzeitig weit entfernt von den Lebenden. So real hatte sich der eigene Tod noch nie angefühlt. Wie wäre es, wenn mein Leben jetzt zu Ende wäre? In mir stieg Trauer auf. Ich spürte deutlich, dass mein Leben noch nicht zu Ende gelebt war. Und dann kamen mir diejenigen in den Sinn, die tatsächlich um mich trauern würden. 

Die Lebenden hatten unterdessen angefangen, sich von mir zu verabschieden. Offensichtlich machten sie ernst. Alle Teilnehmenden kamen noch einmal zu mir und legten mir eine einzelne Blume auf den Körper. „Danke, dass du da warst, Julian“, „gute Reise“, „ich danke dir für diese Erfahrung“, „mach’s gut, Julian“. Ich kannte die Menschen nicht und trotzdem rührten mich ihre Worte. Als meine Kollegin sich verabschiedete, musste ich schlucken. Das ist doch nur ein verdammtes Spiel, hätte ich am liebsten gerufen.

Schließlich wurde das „Spiel“ beendet und ich wurde aufgefordert zurückzukommen. Ich erhob mich, schluckte die Tränen runter, räusperte mich und bedankte mich bei den Teilnehmenden. In der Reflexionsrunde sagte ich, dass es mir als Toter gar nicht so wichtig gewesen sei, was mit meinem Körper getan worden sei. Das erstaunte mich selbst. Offensichtlich zählt vor allem die Geste und Abschiedsrituale sind in erster Linie für die Lebenden da.

Mein persönliches Fazit: ich habe nichts gegen den Tod, aber jetzt bitte noch nicht!

Selbstversuch Totenfürsorge

Die Totenfürsorge

Wie finde ich einen guten Bestatter?

„Wie finde ich einen guten Bestatter oder eine gute Bestatterin?“ – Diese Frage bekomme ich oft von Menschen außerhalb von Berlin gestellt. Hier ist ein kleiner Leitfaden, der die Suche erleichtern kann. 

Eine Beerdigung kann ein wichtiges Ereignis in unserer Biografie sein und ein guter Bestattungsprozess trägt viel dazu bei, wie wir die nachfolgende Trauerzeit erleben. Daher darf man sich für die Wahl des richtigen Bestatters oder der richtigen Bestatterin ruhig ein bisschen Zeit nehmen – auch wenn die Zeit vermeintlich drängt.

Ein ansprechender Internetauftritt mit übersichtlichen Leistungs- und Preisangeboten ist ein guter Anfang, ersetzt aber nicht das persönliche Gespräch mit dem Bestatter oder der Bestatterin. Wenn genug Zeit ist, empfehle ich sogar Gespräche mit mehreren Bestatter_innen. In diesen Gesprächen müssen natürlich Preise und Leistungen erfragt werden, vor allem aber geht es darum, ein gutes Bauchgefühl zu dem Bestatter oder zu der Bestatterin zu bekommen. Die eigentliche Frage ist: Kann ich mir vorstellen, von diesem Menschen in einer intimen Situation – denn das ist eine Bestattung oft – begleitet zu werden? Und: fühle ich mich als Mensch gesehen und wertgeschätzt? Wenn sich das Bestattungsgespräch ausschließlich um die Auswahl von Sarg, Sarggarnitur und Urne dreht, liegt Schwerpunkt vermutlich nicht auf der Begleitung.

Viele Bestatter_innen operieren mit den Begriffen Würde und Pietät, ohne dass diese konkret mit Inhalt gefüllt werden. Es sollte eigentlich selbstverständlich sein, dass gut mit der toten Person umgegangen wird. Doch auch hier lohnt es sich konkret zu fragen:

  • Was genau geschieht mit den Toten?
  • Wie sieht die hygienische Versorgung aus? Kann man bei der Versorgung und beim Ankleiden dabei sein?
  • Wo werden die Toten gelagert? Darf man diesen Ort sehen?
  • Ist eine Abschiednahme von den Toten möglich?
  • Ist es möglich, im Rahmen der erlaubten Zeit noch einmal zu Hause aufzubahren?
  • Dürfen Sargbeigaben mitgegeben werden?
  • Ist es möglich, mit ins Krematorium zu kommen und die Einäscherung zu begleiten?
  • Kann man den Tag und die Uhrzeit der Kremierung zu erfahren?
  • Kann man die Überurne oder den Sarg selbst gestalten?
  • Sind die angebotenen Produkte ansprechend?
  • Werden andere individuelle Wünsche berücksichtigt?
  • Werden konstruktive Vorschläge gemacht, um die spezifische Situation zu unterstützen oder wird man in ein vorgegebenes Konzept gepresst?  

Große Unternehmen haben den Nachteil, dass sie in der Regel arbeitsteilig arbeiten. Das heißt, die beratende Person im Laden ist eine andere Person, als die, die sich um den Verstorbenen kümmert. Wieder eine andere Person betreut die Trauerfeier. Diese Arbeitsteilung ist zwar wirtschaftlich effizient, macht die Betreuung aber unpersönlicher.

Transparente Preise

Ein transparenter Kostenvoranschlag ist ein Qualitätsmerkmal. Bestattungsunternehmen, die mit Billigangeboten werben, haben den Fokus oft nicht auf der individuellen Begleitung, sondern auf der schnellen „Entsorgung“. Zudem sind die genannten Preise oft ohne Kremationskosten oder 19% Mehrwertsteuer angegeben. Statt den schnellen Klickangeboten ist es sinnvoller, in einem persönlichen Gespräch die Möglichkeiten zu erörtern und nach einem Preisnachlass zu fragen, auch wenn dies natürlich eine Hürde darstellt.

Ich denke, ganz am Ende ist die Wahl der richtigen Bestatterin oder des richtigen Bestatters eine Frage der Sympathie.

Neues Interview zur Alternativen Bestattung

Ein neues Interview zur Alternativen Bestattung ist online. Danielle Graf und Katja Seidel vom Erziehung-Podcast „Das gewünschtes Wunschkind“ haben mich zu meiner Arbeit interviewt. Herausgekommen ist ein schönes Gespräch über die Möglichkeiten der Alternativen Bestattung. Unter anderem geht es um passende Abschiedsrituale, sympathische Tote, Bestattungskosten und die richtigen Worte, wenn jemand stirbt. Hört selbst!

Podcast-Link

 

Neues Interview zur Alternativen Bestattung
Das bin ich auf auf dem Hof des Berliner Fuhrunternehmen „Gustav Schöne“. Früher waren hinter dem Holztor die Pferdeställe, heute ist dort Kühlung, wo meine Toten ruhen.

 

Ausschnitt:

Danielle: „Was sind denn so ungewöhnliche Wünsche, die an dich herangetragen werden? Du hast jetzt gesagt, eine eigene Bettdecke mit in den Sarg nehmen. Gibt es noch andere Sachen, die einfach nicht so sind, wie man sich es vorstellen würde? Oder trauen sich die Leute gar nicht?“

Julian: „So ungewöhnlich ist es gar nicht. Ich glaube, dass das Außergewöhnliche eher im Detail liegt, dass Leute sich einfach trauen, Dinge zu sagen, die sie vielleicht sonst nicht sagen würden. Oder dass ich einfach versuche, einen Raum zu öffnen, wo das, was zu der toten Person passt, da sein darf. […] Zum Beispiel wird bei der Trauerfeier vorne ein Stuhl hingestellt und die Leute werden eingeladen, etwas zu sagen. Und wenn man das hinbekommt, dass diese Angst und diese Schwere der Situation weggenommen wird, dann trauen sich die Leute auch, sich da hinzusetzen und zu sagen: Hey, mir fällt gerade gar nichts Schlaues ein, ich wollte nur sagen: danke. Und ich erinnere mich gerade an den schönen Tag am See, den wir neulich noch zusammen hatten, vielen Dank dafür.“

Katja: „Ganz häufig finden es Menschen schwierig, ihr Beileid auszudrücken. Also entweder persönlich oder auch auf der Trauerkarte. Das ist echt schwer. Gibts da irgendwelche Tipps, die du uns nennen kannst, wie es irgendwie persönlicher wird oder weniger schwer zumindest?“

Julian: „Also ich finde es tatsächlich auch total schwer. In der Rolle des Bestatter gehts immer, weil klar ist, was ich da mache und warum ich dann da bin, aber tatsächlich finde ich es auch schwierig, einem krebserkrankten Freund die richtigen Zeilen zu schreiben. Das ist einfach schwierig. Ich glaube, es ist gut, wenn man sich da ein bisschen besinnt und zusammenreißt und sagt: das ist jetzt aber wichtig, dass ich was sage, und dann ist es auch fast egal, was man dann schreibt, solange es vom Herzen kommt oder mit offenen Worten ist. Ich weiß, dass Kondolenzkarten, Karten die die Zugehörigen bekommen, denen oft total viel bedeuten. Zum Beispiel machen wir das manchmal, dass die Trauerrednerin dann aus diesen Karten zitiert, weil das Bild der Toten dann noch mal ein bisschen runder wird oder vielfältiger. Weil vielfältige Stimmen dann noch mal sagen: du warst immer so und so und dann sagen viele Leute: ja stimmt, das ist sie doch.“

neues Interview zur Alternativen Bestattung

Persönliches

Feuerbestattung oder Erdbestattung

In Berlin ist das Verhältnis von Feuerbestattung und Erdbestattung fünf zu eins. Die christlichen Kirchen haben sich lange gegen die Feuerbestattung gewehrt, denn die Zerstörung des Körpers durch Feuer galt traditionell als ein Hinderungsgrund für die „Auferstehung des Leibes“. Daher war das mittelalterliche Verbrennen auf dem Scheiterhaufen die denkbar schlimmste Strafe. Heute erkennen die christlichen Kirchen die Feuerbestattung vorbehaltlos an. Im Islam und im Judentum gibt es keine Feuerbestattung. Im Buddhismus und im Hinduismus ist sie dagegen verbreitet.

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts hat man die Feuerbestattung in Deutschland aus Gründen der Hygiene propagiert. Außerdem galt sie als ein Gegenentwurf zur christlichen Tradition der Erdbestattung. Im Zuge der Urbanisierung fehlte es in den großen Städten außerdem an Friedhofsfläche, daher wurde die Feuerbestattung kommunal gefördert. Auch die Kosten für die Kremation waren lange geringer als die einer Erdbestattung, weshalb jene vor allem von der Arbeiter_innenklasse in Anspruch genommen wurde. Mittlerweile haben sich die Kosten an die der Erdbestattung angeglichen. Das heute am häufigsten genannte Argument für die Feuerbestattung ist ein subjektiv ungutes Gefühl bei der Erdbestattung. Vielen behagt die Vorstellung nicht, in der feuchten Erde zu liegen und von Würmern zerfressen zu werden. Letztes ist allerdings ein Mythos, denn die Verwesung in der Erde geschieht durch Mikroorganismen unseres eigenen Körpers, nämlich durch Bakterien und Pilze.

Die Feuerbestattung ist eigentlich eine Luftbestattung, denn der Großteil unserer Moleküle entweicht in die Atmosphäre. Nur etwa fünf Prozent unseres Körpergewichts bleibt zurück und wird zur Asche.

Die Asche ist natürlich leichter zu transportieren als der tote Körper im Sarg. Beispielsweise kann man sie unproblematisch im Auto oder im Flugzeug ins Ausland überführen oder sogar mit der Post verschicken. Unter der Rubrik Das Grab auswählen habe ich aufgeschrieben, welche Möglichkeiten es heute für die Beisetzung der Asche gibt.

Erdgrab Berlin

Ist die Erdbestattung oder die Feuerbestattung besser für die Umwelt?

Die Frage, welche Bestattungsart umweltfreundlicher ist, ist tatsächlich umstritten. Die Feuerbestattung hat eine höhere Energieaufwendung und produziert einen erheblichen CO2-Ausstoß. Die Giftstoffe werden größtenteils im Filter der Krematorien abgefangen und als Sondermüll im Salzstock entsorgt. Die Asche enthält ebenfalls alkalische Gifte. Allerdings gibt es auch bei der Erdbestattung eine Belastung des Bodens, zumal die Medikamente und Schwermetalle in unserem Körper ungefiltert in den Erdboden und so ins Grundwasser gelangen.

Letztendlich muss jeder Mensch für sich selbst entscheiden, welche Bestattungsart für ihn die richtige ist – sofern er sich entscheiden darf: Bei ordnungsbehördlichen Bestattungen entscheidet leider der Staat.

Erbe und Nachlass

Memento mori

Schnapp Austern, Dukaten,
Musst dennoch sterben!
Dann tafeln die Maden
Und lachen die Erben.

Joseph von Eichendorff

Das Erbe antreten

Wenn ein Testament vorhanden ist, muss es zunächst eröffnet werden. Dies geschieht durch das Amtsgericht (auch Nachlassgericht), bei dem das Testament hinterlegt ist oder in dessen Bezirk der Tote gemeldet war. Hier kann man das zuständige Gericht finden.

Als Erbnachweis für Banken, KFZ-Stellen etc. genügt dann meist das eröffnete Testament in Kopie sowie das Eröffnungsprotokoll. In diesem Fall ist der Erbschein also nicht zwingend notwendig. Vor der Beantragung eines kostenpflichtigen Erbscheins ist abzuwägen, ob dieser wirklich nötig ist.

Wenn kein Testament vorhanden ist, wird der Erbschein nach gesetzlicher Erbfolge beantragt. Zuständig ist das Amtsgericht (Nachlassgericht), in dessen Bezirk der Tote gemeldet war. Der Erbschein kann bei einer Notarin oder direkt beim Nachlassgericht beantragt werden. In Berlin kann die Ausstellung des Erbscheins mehrere Monate dauern.

Folgende Unterlagen müssen dafür im Original oder notariell beglaubigt vorliegen:

  • Sterbeurkunde
  • Heiratsurkunde
  • Geburtsurkunde der Kinder des Toten
  • ggf. Scheidungsurteile
  • bei anderen Verwandten (Eltern, Geschwister, Nichten, Cousinen etc.): sämtliche Personenstandsurkunden, die die Verwandtschaft belegen.
Das Erbe ausschlagen

Hinterlässt der Tote Schulden oder Verbindlichkeiten, die das Vermögen übersteigen, ist es sinnvoll, das Erbe auszuschlagen. Das bedeutet allerdings, dass der gesamte Nachlass, also auch alle persönlichen Gegenstände, dem Staat zufallen.

In zweifelhaften Fällen sollte bei der Abwägung einer Erbausschlagung unbedingt eine Rechtsanwältin beraten.

Ab der Kenntnis des Erbes beträgt die Frist zum Ausschlagen des Erbes sechs Wochen. Zuständig ist entweder das Amtsgericht, in dessen Bezirk der Tote gemeldet war oder in dessen Bezirk die ausschlagende Person gemeldet ist.

Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) hat eine informative Broschüre zum Erbrecht herausgegeben.

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Unterlagen im Trauerfall

Die Versorgung der Toten

Bestatter_innen haben unterschiedliche Meinungen dazu, was eine angemessene Versorgung der Toten ist und was nicht, welcher Anblick für die Zugehörigen „zumutbar“ ist und welcher nicht.

Viele Bestatter_innen versuchen, den Toten den Anschein zu geben, als seien diese lebendig. Wir kennen dieses Bemühen von den Post-Mortem-Fotografien des 19. Jahrhunderts. Dort posieren Tote mit ihren Liebsten, sitzen auf Stühlen oder stehen mit Hilfe von Vorrichtungen sogar aufrecht. Tote sollen doch bitte nicht tot aussehen. Dahinter steckt die Angst, dass sich das letzte Bild so einprägt, dass es sämtliche Erinnerungen überlagert.

„Schminkst du die Toten auch?“, werde ich häufig gefragt. Meine Antwort ist: „ich trage Lidschatten und Lippenstift auf, wenn die tote Person das selbst immer gemacht hat.“ Aber ich tue nichts, was einen Toten lebendig oder zumindest schlafend aussehen lässt. Warum sollte ich? Beim Abschiednehmen geht es unter anderem darum, dass die Zugehörigen den Tod ihrer Liebsten begreifen – und zwar im Wortsinne. Und auch das Vergehen des Körpers darf wahrgenommen werden. So fällt es leichter, den Körper der Erde oder dem Feuer zu übergeben.

Warum ich den Mund nicht zunähe

Wenn sich unsere Muskeln entspannen, entspannt sich auch der Kiefer und manchmal steht dann der Mund offen. Die meisten Toten haben den Mund etwa zwei Finger breit geöffnet. Der sperrangelweit geöffnete Schlund, der an den „Schrei“ von Edvard Munch erinnert, kommt nur bei etwa 5% aller Toten vor. Insbesondere vor diesem Anblick fürchten sich manche Zugehörige. Daher gehört es zum guten Ton von konventionellen Bestatter_innen, den Mund jedes Toten mit einer Ligatur zu vernähen. Dabei wird mit einer groben, gebogenen Nadel ein Faden von außen durch den Unterkiefer und durch die Oberlippe in die Nase gestochen, durch die Nasenscheidenwand ins andere Nasenloch geführt und auf der anderen Seite wieder herunter.

Um ehrlich zu sein, ich beherrsche diese Methode nicht. Für mich ist sie ein invasiver Eingriff, der die Toten quält. Man mag einwenden, dass die Toten ja vollkommen schmerzfrei sind, aber allein die Symbolik, jemandem den Mund zuzunähen und den Gesichtsausdruck einzufrieren, ist für mich untragbar. Gerade der Gesichtsausdruck leidet bei der Ligatur, denn die Lippen der Toten werden zusammengepresst, sodass ein verkniffener Ausdruck entsteht. Wenn Zugehörige auf den Mundverschluss bestehen, versuche ich es mit sanfteren Mitteln wie einer Kinnstütze oder dem Hochbinden des Kinnes mit einem Tuch.

Gleiches gilt übrigens für das Verschließen der anderen Körperöffnungen, nämlich der Nasenlöcher, des Anus und der Vagina. Deren Tamponierung gilt als Standard hygienischer Versorgung. Auch die Augen werden in der Regel mit sogenannten Augenkappen, also kleinen Widerhaken auf der Innenseite der Lider, verschlossen. Nach meinem Empfinden sind das grenzüberschreitende Eingriffe, die ich meinen Toten nicht zumuten möchte.

Eine gute Versorgung

Einen Toten gut zu versorgen, heißt für mich liebevolles Zuwenden. Ich versuche, es ihm so behaglich wie möglich zu machen und ihn in eine angenehme Komfortlage zu bringen. Dazu gehört, Schläuche oder Katheder zu entfernen, ihn zu waschen und ihm eigene, frische Kleider anzuziehen. Der Austritt von Flüssigkeiten kann mit einer Einlage oder Windel verhindert werden. Wenn es zum Toten passt, benutze ich wohlriechende Seifen oder ein Massageöl. Die Haare werden gebürstet und die trockenen Lippen befeuchtet. Die Augen drücke ich sanft zu, wenn sie wieder aufgehen, dürfen sie offen bleiben. Ich tue nichts, was ich nicht auch mit Lebenden tun würde.

Selbst ankleiden
© Joris Bas Backer


Sargbeigaben

Dem Toten noch etwas mitgeben – ein Ritual, das so alt ist wie die Bestattung selbst. Aus ökologischer Sicht darf man alles mit in den Sarg geben, was man mit gutem Gewissen in die Erde oder ins Feuer geben kann. Dazu gehören auch die eigenen Kleider und die eigene Bettwäsche. Ich lade Zugehörige ein zu überlegen, was sie ihrer Toten mitgeben möchten. Die Resultate sind manchmal erstaunlich kreativ und berührend.

Was soll mit in den Sarg?

Worüber hätte sich die Tote wirklich gefreut? Zum Beispiel über Fotos von den Liebsten oder über ein kleines Geschenk? Ein Stein oder ein Andenken, das wichtig war?

Gab es etwas, dass die Tote immer bei sich hatte, zum Beispiel Bonbons, Stofftaschentücher, Zigaretten? Soll der Ehering oder die Armbanduhr mit in den Sarg? Hat sie sich geschminkt oder Parfum getragen?

Was hat sie gerne gegessen? Soll sie Reiseproviant mitbekommen? Zum Beispiel Schokolade, Gebäck, Obst oder eine Flasche Wein?

Womit vertreibt sie sich die Zeit? Zum Beispiel mit einem Buch, einem Rätselheft, mit Musik, einer Zeitung oder einem Spiel?

Ist noch etwas offen, das zu Lebzeiten nicht gesagt werden konnte, und was in einem Brief gesagt werden kann?

Beispiele für Sargbeigaben

Emre*, hat es geliebt, vormittags in der Sonne zu sitzen und zu genießen. Er bekommt ein Pfund Kaffee samt Lieblingstasse, Kekse, seine Lesebrille und die aktuelle Zeitung mit in den Sarg. Außerdem haben seine Enkel Bilder für ihn gemalt.

Sladja* ist in ihrem Leben viel gereist. Mit in den Sarg bekommt sie Münzen aus aller Welt. Eingehüllt ist sie in eine Decke aus Äthiopien, außerdem begleitet sie ein Buddha aus Laos und ein Säckchen Erde aus ihrer niedersächsischen Heimat.

Jonas* bekommt von seinen Freunden ein Bier und etwas zu rauchen. Außerdem einen Stick mit einer Playliste, ein Teddy aus Kindertagen und Fotos von seiner Familie. Er liegt in seiner grünen Lieblingsbettwäsche.

Rebekka* wollte in einem einfachen Leinentuch bestattet werden. Alle ihre Freund_innen haben ihr vorher letzte Grüße auf das Tuch geschrieben. Außerdem geben sie Rosenblätter mit in den Sarg.

Gute Trauerredner_innen

Eigentlich werbe ich dafür, dass die Zugehörigen auf der Trauerfeier selbst sprechen. Aber manchmal ist es sinnvoll, (zusätzlich) eine gute Trauerredner_in zur Trauerfeier einzuladen. Diese hält den Rahmen, indem sie die Trauerfeier moderiert oder die vielfältigen Stimmen der Zugehörigen in einer Trauerrede vereinigt. In einer guten Trauerrede wird der Tote erinnert, sein Sterben gemeinsam betrauert und die Verbundenheit zu ihm bestärkt.

Nicht jeder Trauerredner passt zu jeder Familie und jedem Toten. Im Folgenden stelle ich gute Trauerreder_innen vor, mit denen ich gerne zusammenarbeite. Sie alle sind überkonfessionell und lassen sich auf die Lebensgeschichte des Toten ein:

Alle Trauerredner_innen bieten:
  • ein mehrstündiges, persönliches Vorgespräch, in dem das Leben der verstorbenen Person ausführlich besprochen wird. Auch die Gestaltung der Feier, die Auswahl der Musik und eventuelle Rituale oder besondere Wünsche werden bei diesem Gespräch geplant
  • die Durchführung der Rede
  • das Redeskript nach der Trauerfeier
  • Kosten pro Rede: 400,00 EUR brutto (Ich nehme keinen Aufschlag.)

Anneli Klostermeier-FehrTrauerrednerin verfügt über die Gabe, sich mit den Toten liebevoll zu verbinden. Sie erzählt die schönste Version der Toten, so wie er oder sie sich gerne gesehen hätte, ohne dass Schwieriges verschwiegen wird. Im Vorgespräch fügt sich das Geschehene oft noch einmal zu neuen stimmigen Bildern und Sichtweisen. Anneli Klostermeier-Fehr ist Dramaturgin und Journalistin und hat drei Kinder im Schulalter.

 

Daniela Klein beginnt ihre Trauerreden immer mit einem Bild, einer Metapher oder einer kurzen Erzählung, die das Wesentliche der Toten widerspiegeln. Sie führt die Trauergemeinde durch die Trauerfeier und lädt ein, das Leben, die Wünsche und Sehnsüchte der Toten zu betrachten und ihr Vermächtnis zu würdigen. Daniela Klein ist 49 Jahre alt, hat in mehreren Ländern gelebt und ist unter anderem Historikerin, Theatermacherin und Fotografin.

Nette TrauerrednerinIlka Puschmann will den Dingen auf den Grund gehen. Behutsam und respektvoll fragt sie nach und hilft den Zugehörigen, das Erlebte und ihre Beziehung zum Toten neu zu ordnen. Die studierte Theologin hat sich weitergebildet in Psychodrama, Familienaufstellung und Gestalttherapie. Außerdem unterrichtet sie Yoga und tanzt Tango Argentino.

Marco Ammer ist der Mann der Struktur. Aber sein formaler Datenbogen täuscht über die Hingabe und Leidenschaft hinweg, mit der er sich seiner Aufgabe als Trauerredner und Trauerbegleiter widmet. Einfühlsam und zugewandt kümmert er sich um die Toten und die Lebenden. Marco Ammer ist 42 Jahre alt, Schauspieler, Fernsehmoderator und Synchronsprecher.

Gute Trauerredner_innen